1990–
Nach der Aufhebung der Gemeinnützigkeit für Wohnungsgenossenschaften zum 31. Dezember 1989 sah sich die Genossenschaft vor neuen Herausforderungen. Sie beschränkte aus steuerlichen Erwägungen ihre Tätigkeit auf die noch zulässigen Aufgaben als Vermietungsgenossenschaft . Alle übrigen Aufgaben, die die Genossenschaft aus steuerlichen Gründen nun nicht mehr wahrnehmen konnte, wurden auf die im Juli 1989 gegründete Tochtergesellschaft GEWOGE Bauträgergesellschaft mbH übertragen. Aufgaben der Tochtergesellschaft wurden die Beschaffung, Bevorratung und Erschließung von Grundstücken, die Errichtung, Bewirtschaftung und der Verkauf von Wohn- und Geschäftshäusern sowie die Bau- und Verwaltungsbetreuung. Durch die starke Zuwanderung von Aussiedlern aus den osteuropäischen Ländern Ende der 80er Jahre und durch den Zuzug aus den neuen Bundesländern entstand erneut eine lebhafte Wohnungsnachfrage. Bereits 1990 und 1991 konnten 90 Neubauwohnungen bezogen werden. Die rege Bautätigkeit setzte sich in den Folgejahren fort. Im Jahr 1994 lief das bis dahin größte Investitions-Programm an. Es sollte ein neuer Rekord in der langen Geschichte der Genossenschaft werden , mit 154 neu gebauten Wohnungen in nur 18 Monaten. Im Sommer 1994 begannen die Bauarbeiten für eine Wohnanlage mit 75 Eigentumswohnungen; sie wurden mit Mitteln aus dem Programm „zukunftsweisende Bauvorhaben“ als Niedrig-Energiehaus gefördert.
1992 wurde eine Seniorenwohnanlage geplant. Zuvor, seit 1991, bestand schon ein Seniorentreff. Der Bau der modernen Wohnanlage mit 90 Servicewohnungen, Tagespflegeeinrichtung und Nachtpflegemöglichkeit, öffentlichem Restaurant, Schwimmbad, Sauna und zahlreichen Nebeneinrichtungen begann 1994. Ein weiteres Modellprojekt wurde 1996 realisiert: 12 Wohnungen für alleinerziehende Mütter, individuelle Wünsche der späteren Nutzer wurden berücksichtigt, ökologische Gesichtspunkte wurden berücksichtigt. Im Jahre 1996 erwarb die Genossenschaft aus aufgegebenen militärischen Liegenschaften eine Fläche von 31.800 Qm mit 4 Mannschaftsunterkünften. Es entstanden durch Umbau 144 moderne Genossenschaftswohnungen. Und bereits 1997 wurden zusätzlich 32 kostengünstige Eigenheime auf dem gleichen Gelände fertiggestellt.
Schon in den 1980er Jahren befasste sich die Genossenschaft mit dem Gedanken, eine Ferienwohnanlage für ihre Mitglieder zu erwerben. Anfang 1998 übernahm sie dann das 4-Sterne-Hotel Ruhbühl in Lenzkirch im südlichen Hochschwarzwald. Seit dieser Zeit bietet sich hier den Genossenschaftsmitgliedern, auch Familien mit Kindern, die Möglichkeit, einen erholsamen Urlaub zu günstigen Preisen zu verbringen.
Die Mitgliederzahl lag Ende 1998 bei 3.064 und war damit zwischen 1974 und 1998 wieder um mehr als 50% gestiegen. Es waren 5.707 Geschäftsanteile mit einer Haftsumme von 3,4 Mio DM gezeichnet. Die Bilanzsumme stieg von 42,5 Mio DM Ende 1974 auf 113,2 Mio DM Ende 1997, die Bilanzsumme der neuen Tochtergesellschaft lag im gleichen Zeitpunkt bei zusätzlich 80,9 Mio DM. In ihrem 100-jährigen Bestehen hat die Genossenschaft mehr als 4000 Wohnungen und gewerbliche Einheiten gebaut. Sie verwaltet 135.600 qm Wohnfläche im eigenen Bestand und 39.900 qm Wohnfläche fremder Eigentümer.
Mit Stolz blickt die Genossenschaft am Jubiläumstag auf ihre große Aufbauleistung in diesen 100 Jahren zurück. Und auf den Dienst am Menschen, den sie durch ihre Wohnraumversorgung in dieser Zeit geleistet hat.
(aus Festschrift: 100 Jahre GEWOGE im Hönnetal eG, 1899-1999)
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