1974-1989
Es folgten einige Jahre der "Bauruhe", in denen die Genossenschaft allerdings durchaus nicht untätig war. Die Renovierung und Verbesserung des vorhandenen Wohnungsbestandes, der den Wünschen der Mieter nach moderner und höherwertiger Ausstattung entsprach, hatte im ersten Teil der siebziger Jahre im Vordergrund gestanden. Aber bereits 1974 war zum erstenmal im Geschäftsbericht ein Bebauungsplan für das Siedlungsgelände In den Griesen und Paulstraße erwähnt worden, dessen ganze Tragweite sich am besten in die Schlagworte "Bauverein 2000" kleiden lässt und dessen Pläne sich erst zwei Jahrzehnte nach den ersten Ideen tatsächlich zu verwirklichen beginnen, ohne vor allem den Bau des Hochhauses an der Martinstraße auszuklammern. Auf der Generalversammlung 1976 wurde berichtet, der Bebauungsplan sei 1975 von der Stadt genehmigt worden und liege nun dem Regierungspräsidenten vor.
Inzwischen wurde ein beschränkter Architektenwettbewerb ausgeschrieben, um dadurch einen guten Bebauungsplan zu erhalten. Es sind vorerst drei Punkthäuser siebengeschossig, zwischen Jahn-, Paul-, Martinstraße und Steinrausch geplant, die in ein bis drei Bauabschnitten errichtet werden sollen. Falls die schwierige Finanzierungsfrage zufriedenstellend gelöst werden kann, hofft der Vorstand, dass die Bautätigkeit bis zum Anfang 1977 wieder aufgenommen werden kann, so der Bericht. Als Endausbaustufe waren in dem Bebauungsplan zwischen den Straßen In den Griesen und Paulstraße, Jahnstraße und Richrather Straße 279 Wohnungseinheiten in 23 drei- bis sechsgeschossigen Häusern sowie 330 Garagen und Einstellplätze, zum Teil unterirdisch angelegt, vorgesehen.
Tatsächlich wurde ein ansehnlicher Mosaikstein dieses Zukunftsplanes Ende der 70er Jahre verwirklicht. Der Bau eines siebengeschossigen Wohnhauses mit 21 Wohneinheiten war 1979 bezugsfertig; hinzu kamen 15 wirtschaftlich vom Bauverein betreute Reihen-Eigenheime für kinderreiche Familien und städtische Bedienstete. Der Bauverein wäre in der Lage, an der Martinstraße zwei weitere Häuser mit jeweils 21 Wohnungen zu bauen, doch ist noch nicht abzusehen, wann diese Projekte verwirklicht werden, kam in dem Bericht an die Generalversammlung 1980 zum Ausdruck. Jenes siebengeschossige Haus an der Martinstraße 40 ist bis heute das höchste Bauwerk der Genossenschaft geblieben. In der städtebaulichen Entwicklung haben sich andere Tendenzen vollzogen - damals existierte auch noch ein Bebauungsplan Stadtzentrum mit achtgeschossigen Häusern, der (erfreulicherweise) längst zu den Akten gelegt worden ist.
"Höhere Mieten machen Neubauten unmöglich", lautet die Schlagzeile der "Westdeutschen Zeitung" von der Mitgliederversammlung 1986. Es hatte einen jahrelangen Stillstand im Neubau gegeben, und auch "für eine weitere Neubautätigkeit konnte der Vorstand der Mitgliederversammlung keine positive Entscheidung vorlegen, obwohl der Bauverein über eine große Grundstücksreserve verfügt". Erst ein Jahr später zeigte sich wieder ein Silberstreif am Horizont: Der Bauverein plante, im rückwärtigen Gelände zwischen Langforter Straße und In den Griesen 20 Reiheneigenheime als Doppelhäuser zu errichten. Architekt Willi Silberhorn erhielt bei einem Wettbewerb, der von der Genossenschaft ausgeschrieben war, den ersten Preis und damit den Auftrag, diese kleine aber feine und zentrumsnahe Siedlung zu bauen. Das Richtfest wurde bereits im Mai 1989 gefeiert, die 20 Eigenheime gingen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.
"In einer Zeit, da dringend Wohnungen für junge Familien und Aussiedler gebraucht werden, muss sich die Genossenschaft intensiv um die wieder aufgenommene Neubautätigkeit kümmern", so begann der Vorstandsbericht zur 71. Mitgliederversammlung im Juni 1989. Mit dem Bau der Eigenheime und der Erschließung des Baugebietes Am alten Gaswerk und von 16 Mietwohnungen an der Martinstraße war ein erster Schritt in diese Richtung getan worden. Dass noch einiges mehr möglich sein würde, ließ sich allein daran erkennen, dass die Genossenschaft noch 23.000 qm bau freie Grundstücke im Besitz hatte - die seit vielen Jahren betriebene "Vorratshaltung" erwies sich wieder einmal als weitblickend. Der Wunsch nach einer Wohnung des Bauvereins wurde auch in dem Zugang von 105 neuen Mitgliedern der Genossenschaft innerhalb eines Jahres (1988) deutlich.
(aus: Festschrift 75 Jahre, 1994)
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