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1975-1989

Mit dem Jahr 1975 begann ein abrupter Rückgang beim Wohnungsneubau. Durch die Bautätigkeit im vergangenen Viertel-Jahrhundert auch der GEWOBAU konnte die Wohnungsnot in Essen beseitigt werden. Zudem zeichnete sich zum ersten Mal ein Rückgang der Bevölkerungszahl Essens ab. In geringerem Umfang wurden trotzdem weiterhin Neubauwohnungen benötigt, denn in den 1980er Jahren erwartete man, dass geburtenstarke Jahrgänge Wohnungen nachfragen würden. Als neues Wohngebiet wurde der Viehauser Berg erschlossen. Hier entstanden neben Mietwohnungen auch Eigentumswohnungen und Eigenheime.

Die Bestandszahlen der genossenschaftseigenen Wohnungen bleiben bis Ende der 1980er Jahre nahezu unverändert, denn die GEWOBAU konzentriert sich in erster Linie auf die durchgehende Modernisierung von Altbauwohnungen. Als erste nahm man die Häuser Augenerstraße 69/71 in Angriff. Die drei-geschossigen Häuser aus dem Jahr 1930 wurden um je eine Dachgeschosswohnung ausgebaut bzw. zwei kleine Wohnungen im Erdgeschoss zu 93 qm Wohnungen zusammen gelegt. Weitere „Durchbaumaßnahmen“ folgten, um Wohnungsbestände für zukünftige Nachfragegruppen bereit stellen zu können. Andere Altbauten wurden teilmodernisiert, Etagenheizungen durch Zentralheizungen ersetzt oder Häuser erhielten neue, wärmegedämmte Fassaden.

Eine ältere Hausgruppe mit acht Wohnungen an der Fürstinstraße, erbaut 1921 vom Spar- und Bauverein Steele, wurde hingegen aus Rentabilitätsgründen und hoher Reparaturanfälligkeit komplett abgerissen und 1980/81 durch Neubauten ersetzt. Die neue Wohnanlage umfasste 13 Wohneinheiten von der Einraum- bis zur Vierraumwohnung. Wegen der zentrumsnahen Lage dieser Neubebauung in Essen-Steele wurden die Wohnungsgrößen gemeinsam mit der Stadt festgelegt. Vor allem Familien mit Kindern sollten wieder in innerstädtische Bereiche ziehen. Die mit gebaute Tiefgarage wurde mit mehr Stellplätzen konzipiert, als für das eigene Wohnprojekt notwendig.

Von Vermieter- zum Mietermarkt: Neue Wohnqualitäten werden nachgefragt

Das Konzept Abriss und Neubau wurde auch für sechs Wohnhäuser an der Schwanenbuschstraße umgesetzt. Hier handelte es sich um stark kriegsbeschädigte Häuser, die von den Mitgliedern nach dem Krieg teilweise durch Selbsthilfeleistungen wieder aufgebaut worden waren. Die 1980er Jahre wurden von der Genossenschaft vor allem genutzt, um Bestände zu erneuern, aber auch um der Nachfrage nach Eigentum gerecht werden zu können. So entstanden am Füllenkamp 24 Einfamilienhäuser, von denen dreie Einliegerwohnungen erhielten. Andere Häuser dieser Anlage wurden für einen späteren Ausbau nach den jeweiligen Bedürfnissen der Bewohner vorgesehen - variabel je nach Veränderungen bei Familiengröße bzw. -stand. Fünf der Häuser wurden behindertengerecht ausgestattet.

Überhaupt stand in den 1980er Jahren ein Umdenken in der Wohnungswirtschaft an. Gewohnt an ständiges Wachstum seit den 1950er Jahren, hatte sich der Wohnungsmarkt Schritt für Schritt vom Vermieter- zum Mietermarkt gewandelt. Die „Konkurrenz um den Wohnungskunden“, wie der Geschäftsbericht 1983 feststellte, bedeutete nicht nur, dass die Wohnungen zeitgemäß modernisiert bzw. instandgesetzt werden mussten, sondern auch die Qualität und Gestaltung des Wohnumfeldes erhielt einen höheren Stellwert, ebenso die stadträumliche Lage der Wohnungen.

Bis Ende der 1980er Jahre setzte die Genossenschaft vorrangig auf die Qualitätsverbesserung ihrer Wohnungsbestände. Zum Beispiel erhielt die Siedlung Sonderfeld wegen gestiegener Parkplatznot eine neue, doppelstöckige Tiefgarage; durchgreifende Modernisierungen betrafen u.a. die Häuser Huffmanstraße oder Steeler Straße 480, wo durch die Grundrissänderungen und die Zusammenlegung von Kleinwohnungen fünf moderne Wohnungen entstanden; oder, wie am Beispiel Pramenweg 30, entstanden durch den Ausbau von Dachgeschossen neue Wohnungen. Typisch für das Ruhrgebiet: Aufgrund von Bergbauschäden mussten Auf dem Stapel 4 Häuser mit 28 Wohnungen abgerissen werden, das Gelände wurde aber für eine Neubebauung vorgesehen.

Was ist eine Genossenschaft, außer dass sie Wohnungen baut und vermietet? Unerwartet sahen sich die Wohnungsgenossenschaften – so auch auf die GEWOBAU - in den 1980er Jahren in der Situation, eine Antwort auf eine Frage zu geben, die niemand gestellt hatte. Hintergrund war die gewerkschaftseigene Wohnungsbaugesellschaft „Neue Heimat“, das größte Wohnungsunternehmen in der Bundesrepublik Deutschland. Die „Neue Heimat“ war in die Schlagzeilen geraten, Misswirtschaft und eine Geschäftspolitik, die auf ungebremstes Wachstum und Expansion setzte, ließ das Unternehmen unter den sich geänderten Rahmenbedingungen für die Wohnungswirtschaft zusammenbrechen. Die ebenfalls gemeinnützigen Genossenschaften wurden in der Öffentlichkeit nun allzu leichtfertig in einen Topf mit dem größten Einzelunternehmen des Wohnungssektors geworfen.

Die Genossenschaften hatten es nun nicht leicht, der Öffentlichkeit und sogar eigenen Mitgliedern zu erklären, dass eine Genossenschaft durch ihre Mitgliederbezogenheit, die von den Mitgliedern kontrollierten und gewählten Gremien, ihre Unabhängigkeit von großen Kapitalgebern sowie ihre regional begrenzte Tätigkeit kaum in eine vergleichbare Lage kommen könnte. Erst recht kann eine Genossenschaft ohne Zustimmung der Mitglieder nicht veräußert werden.

Trotzdem wurden die Geschehnisse um die „Neue Heimat“ zum Auslöser für eine Diskussion zur Abschaffung des WGG (Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz), das den Wohnungsunternehmen bislang Steuerfreiheit gewährte, sie aber gleichzeitig in ihren Geschäften einschränkte. Bis 1990 blieb die Gemeinnützigkeit erhalten, danach standen den Genossenschaften zwei Wege offen. Sie konnten die Form der „Vermietungsgenossenschaft“ wählen und somit steuerbefreit bleiben, wenn mindestens 90% ihrer geschäftlichen Tätigkeit das Vermietungsgeschäft blieb. Oder sie wurden von Auflagen befreit und steuerpflichtig – was aufgrund des Tätigkeitsfeldes eines Wohnungsunternehmens nicht zwangsläufig Steuerzahlung bedeuten musste. Die GEWOBAU entschied sich für die Steuerpflicht, denn das Genossenschaftsgesetz allein sicherte über die Selbstbestimmung der Mitglieder die soziale Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit, der sich die GEWOBAU verpflichtet fühlt.

Nach außen hin kaum bemerkt firmiert die Genossenschaft seit September 1990 unter einem anderen Namen. Das Kürzel GEWOBAU blieb erhalten, es bedeutet nun aber nicht mehr „Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Essen eG“, sondern „Wohnungsgenossenschaft Essen eG“, denn die Gemeinnützigkeit wurde abgelegt und das Bauen allein ist nicht mehr das Hauptbetätigungsfeld.

Symbolisch für die Neuorientierung der GEWOBAU auf dem Wohnungsmarkt stand 1988 der Umbau des Wohn- und Verwaltungsgebäudes Ribbeckstraße 40. Nicht nur von außen sollte die Geschäftsstelle für Mitglieder und Kunden als solche zu erkennen sein, sondern auch die Eingangshalle, das Treppenhaus und der dahinter liegende Innenhof wurden mit viel Glas und hellen Baumaterialien und nicht zuletzt durch ihre Ausstattung mit modernen, farbenfrohen Skulpturen freundlich und offen umgestaltet.   
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