1950-1974
Ein besonders starker Bau-Boom setzte in den fünfziger Jahren ein. So erstellte der Bauverein 1950/51 zwölf Häuser mit insgesamt 80 Wohnungen an der Langforter Straße und am Martinsplatz, Anfang 1952 befanden sich 16 Häuser mit 100 Wohnungen an der Martinstraße im Bau und wurden Mitte des Jahres bezugsfertig. Weiter waren der Bau von drei Häusern mit 18 Wohnungen in der Nähe des Jahnhauses und von neun Eigenheimen, mit ebenfalls 18 Wohnungen, Auf dem Sändchen geplant, wobei der Bauverein als Träger auftrat.
In diesem Stile ging es weiter - wohnungssuchende Familien erhielten dank der Aktivitäten des Bauvereins ein Dach über den Kopf, ein Zuhause, das bereits höheren Ansprüchen wie Bad und Zentral- oder zumindest Etagenheizung, gerecht wurde. War durch die Preisentwicklung Mitte der 50er Jahre die Bautätigkeit ein wenig ins Stocken geraten, wich der Preisanstieg bereits 1957 wieder einer gewissen Beruhigung, so dass Geschäftsführer Ferdinand Boes in der Generalversammlung von 1958 neue Vorhaben mit 27 Häusern und 84 Wohnungen bei einem Kostenvolumen von knapp zwei Mio. DM ankündigen konnte. Sie wurden an der Paulstraße, Jahnstraße, Geschwister-Scholl-Straße und Bahnstarße errichtet.
Die Bautätigkeit kam trotz rasanter Preisentwicklung in den 60er Jahren nie zum Erliegen - eine Feststellung, die auch für den Bauverein gilt, der beispielsweise 1965 zwei Mietshäuser am Anemonenweg und 15 Kaufeigenheime für kinderreiche Familien bezugsfertig errichtete und schon neue Pläne in der Schublade hatte: ein 4 Projekt mit 94 Wohnungen in Immigrath-Süd. Von dem geplanten Bauvorhaben für 94 Wohnungen in Immigrath-Süd abgesehen, verfügte der Bauverein noch über unbebaute Grundstücke für rund 200 Wohnungen. Die Hoffnung jedoch, dass auf diesen Grundstücken in absehbarer Zeit Häuser emporwachsen, war höchst gering: "Die Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt sind zur Zeit dermaßen ungünstig, dass mit der Durchführung weiterer größerer Bauvorhaben vorerst nicht zu rechnen ist So werden die Pausen zwischen den einzelnen Bauvorhaben immer größer und die Hoffnung vieler Anwärter auf eine neue oder größere Wohnung immer kleiner, schloss der Geschäftsbericht 1965.
Solcher Pessimismus war nicht unbegründet, wie sich bald herausstellte: Das an der Bogenstraße baureif vorbereitete Programm konnte 1966 nicht mehr begonnen werden, die veränderte Situation hatte zur Folge, dass das gesamte Bauvolumen von 94 Wohnungen geteilt werden musste und sich - so die damalige Prognose nur in drei Teilabschnitten ausführen lassen würde. Aber selbst für die ersten 32 Wohnungen in zwei viergeschossigen Doppelhäusern konnte bis weit in das Jahr 1966 hinein kein Spatenstich getan werden, weil die dringend benötigten Landesmittel zwar mündlich zugesagt, jedoch noch nicht schriftlich bewilligt waren. Schließlich konnte endlich begonnen werden, zum Jahresende 1966 standen die 32 Drei- und Vierzimmer-Wohnungen im Rohbau, im Frühsommer 1967 konnten die ersten Familien einziehen.
Es dauerte weitere zwei volle Jahre, bevor anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Baugenossenschaft der 1968 zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden bestimmte Stadtdirektor Josef Wilken ankündigen konnte, "daß weitere 32 Wohnungen an der Bogenstraße noch in diesem Jahr (1969) begonnen werden." Immerhin waren zu diesem Zeitpunkt bereits reichlich vier Jahre ins Land gegangen, seit zum ersten mal von den Plänen, 94 Neubauwohnungen an der Bogenstraße zu errichten, gesprochen worden war.
Ab 1970 zeichnete sich jedoch ein neuer Trend ab nämlich zu einer größeren und komfortableren Wohnung. So kam der Modernisierung des vorhandenen Wohnungsbestandes, der Ausstattung mit Zentralheizung - Ende der sechziger Jahre war von Kokerei- auf Erdgas umgestellt worden und damit eine umweltfreundliche Gasversorgung möglich -, der Verbesserung der sanitären Einrichtungen in den vor dem zweiten Weltkrieg erbauten Wohnungen immer stärkere Bedeutung zu.
Zweizimmerwohnungen ohne Kochküche konnten Anfang der siebziger Jahre kaum noch vermietet werden, während Drei- und Vierzimmerwohnungen immer begehrter wurden. Deshalb begann die Genossenschaft, kleinere Wohnungen auf einer Etage zusammenzulegen, sie mit Bädern auszustatten und andere Verbesserungen anzubringen. Dafür investierte die Genossenschaft 1969 immerhin fast 80.000 DM. Und auch der Bau von Garagen wurde immer dringender, da die Motorisierung rasch voranging. So verfügte der Bauverein bereits Ende 1970 neben 158 Wohngebäuden mit 819 Wohnungen auch über 21 Garagen mit 134 Einstellplätzen.
(aus: Festschrift 75 Jahre, 1994)
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