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1950-1974
Nach der Währungsreform und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 verabschiedete der Bundestag das erste Wohnungsbaugesetz, nach dem Darlehen für den sozialen Wohnungsbau bereit gestellt wurden. Danach baute die Siedlungsgenossenschaft Essen-Ost, die sich im April 1959 in GEWOBAU umbenannte, in den 1950er Jahren inkl. der Wiederaufbaumaßnahmen rund 200 Neubauwohnungen jährlich.
1953 wurden erstmals wieder Eigenheime gebaut, allerdings nicht im notwendigen Umfang, da zu wenig Grundstücke in der Stadt zur Verfügung standen. „Viele Grundstückseigentümer, selbst wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Grundstücke wieder aufzubauen, sind jedoch nicht zu einer Veräußerung bereit oder stellen nicht zu erfüllende Preisforderungen“, stellte der Geschäftsbericht für 1953 fest.
Die Genossenschaft erkannte aber auch, dass zwar der Wunsch nach einem Eigenheim groß war, doch nur die wenigsten in der Lage waren, ein Eigenheim zu finanzieren. Deshalb blieb der Mietwohnungsbau das Hauptarbeitsgebiet der Essen-Ost. Ab 1954 übernahm man erstmals die Baubetreuung für private Bauherren im Bereich Finanzierung und Recht. Allein im ersten Jahr entstanden mit Unterstützung der Genossenschaft 86 Wohnungen in Eigenheimen sowie 190 in Mehrfamilienhäusern. Bis 1963 wurden es über 250 Eigenheime und über 500 Mietwohnungen für Dritte betreut.
1955 kam es zum Zusammenschluss mit der Genossenschaft „Sparschutz“. Die Sparschutz war keine Wohnungsgenossenschaft, sondern wurde während der Weltwirtschaftskrise von der Genossenschaft „Eigene Tat“ gegründet. Sie sollte von den Mitgliedern angelegte Spargelder vor einer möglichen Insolvenz der Genossenschaft während der Wirtschaftskrise schützen. Während ihres Bestehens hatte sie dazu beigetragen, Hypotheken für die Durchführung von Baumaßnahmen der früheren Siedlungsgenossenschaft „Eigene Tat eGmbH“ bereit zu stellen.
Bautätigkeit über den Essener Osten hinaus: Aus "Essen-Ost" wird die GEWOBAU
Ende der 1950er Jahre die Beseitigung der Nachkriegs-Wohnungsnot absehbar. Die meisten Haushalte, die jetzt noch Wohnungen suchten, waren junge Paare und Familien, die bis dahin noch in der elterlichen Wohnung wohnen bleiben mussten, aber dringend einen eigenen Hausstand gründen wollten. Bis 1959 verwaltete die Essen-Ost 3182 Wohnungen. Mit über 250 waren die meisten im Stadtteil Kray gebaut worden, zwischen Krayer-, Grimberg-, Ottostraße und Volksgarten. Fast 200 Neubauwohnungen entstanden in Freisenbusch an der Bochumer-, der Dammstraße und der Zweibachegge.
Am 21. April 1959 beschloss die Mitgliederversammlung der Genossenschaft auf Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat ihre Umbenennung in „Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Essen eGmbH – GEWOBAU“. Als Grund der Umbenennung wird angegeben, dass sich der Wohnungsbestand längst nicht mehr auf den Essener Osten beschränkt und dass sich die Tätigkeit der Genossenschaft, Wohnungen zu bauen, im Namen wiederfinden sollte. 1972 wurde durch eine weitere Änderung das Kürzel GEWOBAU dem Namen vorangestellt.
Mit dem Ende der Wohnungsknappheit verändern sich in der „Wirtschaftswunderzeit“ auch die Ansprüche vieler Bürger, wie die GEWOBAU in ihrem Geschäftsbericht für 1960 bemerkte: “Es ist nicht uninteressant festzustellen, dass bei vielen Konsumenten der Grenznutzen der Wohnung in Konkurrenz mit anderen Gütern gefallen ist. Dem Kraftfahrzeug wird oft, wie wir immer wieder feststellen können, der Vorrang vor einer besseren, aber auch teureren Wohnung gegeben.“ Neben dem eigenen Auto nahm auch der Urlaub an Bedeutung zu.
1964 stellte man in Essen noch ein Fehlstand an Wohnungen von unter 3% fest. Damit stand die Auflösung der Wohnungszwangswirtschaft bevor, die zum 1. Juli 1965 in Kraft trat. Trotzdem blieb die GEWOBAU bei ihrem Prinzip: Den Mitgliedern preiswerte Wohnungen zu vermieten und keine Gewinnmaximierung zu betreiben. Gerade in den Ruhrgebietsstädten mussten vor allen Arbeiter- und Angestelltenfamilien versorgt werden, die sich nur in Ausnahmefällen Eigentum zulegen konnten.
Die größten Neubausiedlung der GEWOBAU in den 1960er Jahren entstanden in Essen-Überruhr, wo bis 1969 auf dem Sonderfeld 833 Wohnungen fertig gestellt wurden bzw. mit 250 Wohnungen in Essen-Altenessen die Siedlung Hölteberg.
Bei der Anlage von Großsiedlungen, die typisch für den Wohnungsbau am Ende der 1960er Jahre wurden, sah man die Gefahr, möglicherweise soziale Ghettos zu schaffen. Deshalb musste darauf geachtet werden, eine Vielzahl verschiedener Wohnungstypen anzubieten, in Größen zwischen 35 und 90 qm bzw. von der 1 ½ Zimmer-Wohnung bis zur 4 ½ Zimmer-Wohnung. Zudem konnte 1966 ein an die Siedlung Sonderfeld angrenzendes Gelände erworben werden, um dort Eigenheime und vor allem 45 Eigentumswohnungen zu errichten, die ersten Eigentumswohnungen der GEWOBAU.
Bereits 1973 sollte mit dem Bau einer weiteren Großsiedlung mit über 300 Wohnungen am Viehauser Berg in Essen-Werden begonnen werden. Baubeginn war erst im Herbst 1974, denn unvorhergesehen hatte sich – eigentlich fast der Normalfall in dieser Zeit – eine Bürgerinitiative von Anwohnern gebildet, die sich vor allem gegen die Hochhausbauten wehrten. Der Bebauungsplan wurde schließlich zwar wie geplant genehmigt, doch auf Vorschlag der Stadt wurde bei einigen Bauten die Zahl der Geschosse reduziert und damit die Anzahl der Wohnungen auf 238.
Vollständig umgesetzt wurden allerdings die Baupläne für die Parksiedlung II in Essen-Huttrop mit 184 Wohnungen und u.a. einem Wohnhochhaus mit 15 Geschossen. Im Januar 1973 konnten die ersten Wohnungen in einem 8-geschossigen Haus bezogen werden und im Dezember des gleichen Jahres die letzten. Die Nachfrage nach Wohnungen in dieser Anlage war groß. Mit dem Bau einer Tiefgarage sollte der steigenden Bedeutung des Autoverkehrs Rechnung getragen werden und für die Kinder entstand eine phantasiereiche Spielplatzanlage, u.a. mit Kletterhügeln, einer Go-Cart-Bahn oder einem „Sand-See“.
Wohnungen für unterschiedliche Nachfragergruppen bereit zu stellen, wurde für den Neubau immer wichtiger. Die Parksiedlung II bestand aus 184 Wohnungen, davon waren nur noch 23 mit Fördermitteln für den sozialen Wohnungsbau gebaut worden. Neben den ersten frei finanzierten Wohnungen, errichtete die Genossenschaft zudem 60 Altenwohnungen. Insgesamt verwaltete die Genossenschaft Mitte der 1970er Jahre somit knapp 5.000 Wohnungen.
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