1950-1974
Mit dem ersten Wohnungsbaugesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1950 wurde die Grundlage für die systematische Förderung des Wohnungsbaus geschaffen. Die Bau- und Siedlungsgenossenschaft wurde schnell zum Hauptträger des sozialen Wohnungsbaus für den Kreis Herford. Öffentliche Baugelder ermöglichten der B&S in den ersten Jahren nach der Währungsreform, ihr bisher größtes Bauprogramm durchzuführen. Es herrschte damals eine allgemeine Aufbruchstimmung, an die sich ehemalige Genossenschaftsmitarbeiter heute noch gerne erinnern. Ein kleines Mitarbeiterteam der B&S und des Kreises arbeiteten eng zusammen und schafften in wenigen Jahren Wohnraum für zahlreiche Familien mit wenig Einkommen. Die zur Linderung der Wohnungsnot bereit gestellten öffentlichen Gelder im Kreis Herford wurden in erster Linie für Kleinsiedlungen bzw. Einsiedlerstellen und Landarbeiterstellen genutzt.
Die engen Bestimmungen für die öffentlich geförderten Kleinsiedlungen ließen den Bauherren und der Genossenschaft wenig gestalterischen Spielraum. Da jedes Haus nach strengsten Maßstäben kostensparend gebaut werden musste, entwarf Kreisbaurat Hans Gelderblom, der gleichzeitig Architekt und Vorstandsmitglied der Bau- und Siedlungsgenossenschaft war, verschiedene Haustypen. Der Haustyp „Spenge“ entwickelte sich schnell zum „Renner“. Von den ersten 172 Kleinsiedlern entschieden sich 1950 gleich 114 für diesen Typ.
Die meisten Menschen hatten keinen Anteil an den ersten großen Gewinnen der Nachkriegszeit. Sie konnten sich einen Hausbau nicht leisten. Deshalb begann die Siedlungsgenossenschaft, die sich bisher auf den Bau von Einfamilienhäusern konzentriert hatte, ab 1951 mit dem Bau von Miethäusern. Gemeinsam mit dem Kreis und seinen Gemeinden baute man zahlreiche Objekte, die größtenteils für den Gemeindebesitz bestimmt waren. Aber auch eine Vielzahl eigener Mietwohnungsbauten wurde erstellt. Auf diese Weise wurde vielen Flüchtlingen und Vertriebenen ermöglicht, eine eigene Wohnung zu beziehen. Insgesamt baute die B&S zwischen 1950 und 1954 rund 2.500 Wohnungen.
Infolge der Akzentverschiebung bei der öffentlichen Förderung durch das zweite Wohnungsbaugesetz von 1956, stellte die B&S eines ihrer ursprünglichen Ziele mehr in den Vordergrund, nämlich den Bau von günstigen Eigenheimen. Der Selbsthilfeanteil der Bauherren nahm stetig zu und verbilligte den Hausbau erheblich. Im Jahre 1960 machte er innerhalb der Eigenleistung durchschnittlich 28% aus! Allein der gute Wille und die eigene Arbeitskraft reichten bei den Handwerksarbeiten oft nicht aus. Deshalb standen die Techniker der B&S allen Bauherren fachmännisch zur Seite. Sie begleiteten damit den Eigenheimbau von der ersten Phase der Beratung bis zur Fertigstellung der Häuser.
Am Tag ihres 30jährigen Bestehens im Jahre 1967 konnte die Genossenschaft auf eine beachtliche Bauleistung zurückblicken. Insgesamt hatte sie in den 30 Jahren des Bestehens mehr als 3900 Häuser mit über 8100 Wohnungen erstellt. Sie war in ihrem Arbeitsbereich der größte Auftraggeber für das Bauhandwerk in der Region. In den Jahren 1963-1967 vergab sie Aufträge in einer Höhe von 92.700.000 DM. In diesen Jahren hatte sie sich ein Arbeitsnetz geschaffen, in dem Handwerker, behördliche Stellen und örtliche Geldinstitute vertrauensvoll und effektiv kooperierten. Gemeinsam trugen sie wesentlich zur Linderung der Wohnungsnot in den Gemeinden des Kreises Herford bei.
Der Konjunktureinbruch von 1973 traf das Baugewerbe besonders hart. Die Zahl der Bauanträge ging zurück. Konnte die B&S 1973 noch 114 Wohnungen fertig stellen, waren es in den Folgejahren nur noch wenig mehr als 30 im Durchschnitt.
(aus Festschrift: „Hier sind wir zu Hause“, 1937-2000)
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