1930-1949
Nach dem Bau der Siedlung Weegerhof und dem Beginn der Weltwirtschaftskrise kam auch die Bautätigkeit des Spar- und Bauvereins ins Stocken. Kredite waren kaum noch zu bekommen, im Gegenteil, die Mietrückstände wuchsen.
Die horrende Zahl der Arbeitslosen, die in der Weltwirtschaftskrise ihren Höhepunkt erreichte, sollte u.a. durch die Dritte Notverordnung vom 6. Oktober 1931 gemildert werden. Sie schuf die administrativen Voraussetzungen für die Ansiedlung von Erwerbslosen und Kurzarbeitern in vorstädtischen Kleinsiedlungen. Der Spar- und Bauverein widmete sich dem Bau solcher Eigenheime ab 1932, weil es zu diesem Zeitpunkt beinahe unmöglich geworden war, Hypotheken mit erträglichen Zinsen und Abtragungen für Mietshäuser zu bekommen, während die Förderung des Eigenheimbaus verstärkt wurde.
Trotzdem konnte zwischen 1931 und 1933 noch einmal Großprojekt im Mietwohnungsbau umgesetzt werden. Der langjährige Geschäftsführer des Spar- und Bauvereins, Hermann Meyer wechselte im April 1930 als Ministerialdirektor ins preußische Wohlfahrtsministerium, dem auch die Wohnungsbauförderung unterlag. Nicht zuletzt mit Unterstützung Hermann Meyers erhielt die Genossenschaft Fördermittel für den Bau dieser Erwerbslosenwohnungen am Böckerhof. Die Siedlung wurde Hermann-Meyer-Siedlung genannt.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten bedeutete für den Spar- und Bauverein, der den Sozialdemokraten und den Gewerkschaften nahe stand, den bedeutendsten Einschnitt in seine Geschichte. Die demokratischen Einrichtungen wurden abgeschafft, die Einrichtung der in den Häusern gewählten „Vertrauensleute“ in ein Überwachungsinstrument umfunktioniert und das Führungspersonal wurde ausgewechselt.
Der Zuwachs an Wohnungen verringerte sich drastisch. Konnten von Ende 1926 bis Ende 1932 noch 1731 Wohnungen fertiggestellt werden, waren es von Ende 1932 bis Ende 1938 lediglich gut ein Fünftel davon, nämlich 389. Unter diesen Wohnungen befanden sich 76 "Volkswohnungen" und 55 Kleinsiedlerhäuser. Der Rest war "traditioneller" Mietwohnungsbau.
Nach dem Krieg mussten nicht nur die demokratischen Einrichtungen wieder aufgebaut werden, sondern ebenso die etwa 900 im Bombenkrieg zerstörte Wohnungen. Viele Mitglieder hatten ihre zerstörten Wohnungen aus Angst vor neuen Bombenangriffen verlassen, die dann zum Teil von Nichtmitgliedern wild bezogen oder gar geplündert wurden.
Um überhaupt mit dem Wiederaufbau beginnen zu können, schuf man zunächst einen schnell auf über 100 Personen anwachsenden genossenschaftseigenen Betrieb mit Schreinern, Maurern, Dachdeckern und anderen wichtigen Bauhandwerkern. Diese Truppe befasste sich während der „Reichsmarkzeit“ neben ihren eigentlichen Aufgaben vor allem mit Kompensation: Baustoffe waren für Reichsmark kaum zu bekommen, Zuteilungen wurden immer geringer und selbst an Bauersatzstoffe wie Zementziegel war fast nur durch Tausch heranzukommen. Daher arbeiteten die Handwerker gleichzeitig für mehrere fremde Auftraggeber, von denen sie mit Baumaterial entlohnt wurden, das sie wiederum für die Reparaturen von Genossenschaftshäusern verwandten. Ausgebombte Mitglieder des Spar- und Bauvereins konnten daher nicht mit einem schnellen Wiederaufbau oder Reparatur ihrer beschädigten Wohnungen rechnen und wurden - wie alle anderen Solinger Ausgebombten auch - durch das System der Untervermietung provisorisch in fremden Wohnungen einquartiert.
Der 20. Juni 1948, der Tag der Währungsumstellung, änderte zunächst nichts. Mangelte es zuvor an Material, fehlte nun das neue Geld. Die vorausgesagten Preissenkungen auf dem Baumarkt stellten sich zunächst nicht ein. Aber durch die Aufnahme erheblicher Bankkredite und das Aufschieben fälliger Zins- und Tilgungsbeträge gelang es dem Spar- und Bauverein schon 1949, fast alle großen Teilschäden in den bewohnten Wohnungen zu beheben und etwa 100 Wohnungen wieder aufzubauen. Am 30. Juni 1950 hatte der Spar- und Bauverein fast keine bewohnten Wohnungen mit größeren Schäden mehr, aber immer noch 545 totalzerstörte Wohnungen, von denen im folgenden Jahr 143 wiederaufgebaut werden konnten.
(aus Festschrift: 100 Jahre Spar- und Bauverein Solingen eG, 1897-1997)
|
Noch keine Dokumente vorhanden |