1930-1949
Der Gemeinnützige Bauverein zu Lünen hatte es schwer, sich unter den Nationalsozialisten, die 1933 die Herrschaft übernahmen, zu behaupten. Die Stadtverwaltung, mit der die Genossenschaft stets eng zusammengearbeitet hatte, wurde "gleichgeschaltet", und bis Ende des Jahres tat sich auf dem Bausektor nichts. Erst am 1. April 1934 konnten weitere zehn fertiggestellte Wohnungen bezogen werden, und bis zum Ablauf des Jahres 1936 verbuchte die Genossenschaft einen Zugang von 47 Wohnungen. In den Jahren 1937/38 errichtete der Bauverein an der Horstmarer- und Parkstraße sechs Neubauten mit 34 Wohnungen.
Zwar konnten im Geschäftsjahr 1940 noch zwei Mietshäuser mit 14 Wohnungseinheiten fertiggestellt werden, doch hatte der Krieg damit auch den Wohnungsbau in Lünen gestoppt. Fortan bestimmten die Gesetze der Kriegswirtschaft die Tätigkeit der Genossenschaft. Neue Bauvorhaben konnten nicht mehr angepackt werden, und Unterhaltsarbeiten waren nur noch eingeschränkt möglich.
Im Krieg verlor der Bauverein sechs Häuser mit 21 Wohnungen. Stark beschädigt wurden acht Häuser mit 21 Wohnungen. An 15 Häusern entstanden Schäden mittleren Ausmaßes, und neun Häuser waren weniger als zehn Prozent zerstört. Der Gesamtschaden wurde mit 410.000 Reichsmark errechnet. Einschneidender aber als der finanzielle Verlust war es, dass in der Zeit grenzenlosen Wohnungselends vielen Menschen das Dach über dem Kopf zerstört worden war. Der Bauverein bemühte sich deshalb, die Kriegsschäden im Rahmen des Möglichen schnell zu beheben.
Die folgenden Jahre waren geprägt von der Verwaltung des Mangels auf dem Wohnungsmarkt. An Neubauten war nicht zu denken. Es ging nur um Reparaturen und um die möglichst gerechte Verteilung des viel zu knappen Wohnraums. Nach Verhandlungen mit der Stadtverwaltung über Wohnungsbelegungen berichtete der Vorstand am 4. März 1946, "daß grundsätzlich kein Anspruch besteht auf eine Wohnung. Das Reichsleistungsgesetz schreibt vor, daß nur 4 qm Wohnraum dem Einzelnen zur Verfügung stehen." Das "Reich" aber gab es nicht mehr. Wer sollte die Schäden bezahlen, die der Staat durch seine Kriegspolitik verursacht hatte?
Die DM-Eröffnungsbilanz des Bauvereins zum 20. Juni 1948 schloss mit 786.550,43 DM ab. Der Geschäftsanteil wurde auf 300 DM neu festgestellt. Der Bauverein musste sich auch 1949 noch in Bescheidenheit üben, was die Investitionen anging. Zwar hatte der wirtschaftliche Aufschwung eingesetzt, und auch Baumaterial stand wieder zur Verfügung, aber insgesamt herrschte auf dem Wohnungsbausektor noch Flaute, denn die Förderung durch Bund, Länder und Gemeinden kam nur langsam in Gang. So sah denn das Programm des Bauvereins für 1949 lediglich den Wiederaufbau der kriegszerstörten Häuser Schillstraße 5-7 und Goebenstraße 30 vor. Während die Finanzierung des Projektes Schillstraße über drei Hypotheken von 54.000, 37.000 und 11.000 DM gesichert werden sollte, beantragte der Bauverein für das Haus Goebenstraße verlorene Zuschüsse für Flüchtlinge. Geplant waren drei Drei-Zimmer-Wohnungen und zwei Ein-Zimmer-Wohnungen. Wiederaufbau war auch an der Horstmarer Straße 64-66 und Marthastraße 17 angesagt, allerdings erst für 1950. Ins Auge gefasst war ebenfalls der Neubau eines Hauses an der Horstmarer Straße, in dem sechs bis sieben Flüchtlingsfamilien untergebracht werden sollten.
(aus Festschrift: 90 Jahre Bauverein zu Lünen, 1906-1996)
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