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  |  Logout 07.09.2010  06:43:28    
1930-1949

Die einsetzende Wirtschaftskrise traf auch die Genossenschaft hart: die Bautätigkeit musste eingestellt werden, eine größere Anzahl Wohnungen stand leer, und die Mieten gingen nur schleppend ein. Die Finanzlage wurde daher sehr kritisch.

Als sich nach 1933 die Konjunktur belebte, konnte auch die Genossenschaft ihre Bautätigkeit wieder aufnehmen. So entstanden in den Jahren 1935 bis 1942 beachtliche Häuserblocks und eine Anzahl Eigenheime. Besonders hervorzuheben ist, dass die Genossenschaft 1937 mit dem Bauverein Friemersheim zusammen Ersatzwohnungen für die Obdachlosensiedlung des ehemaligen belgischen Truppenlagers bereitstellte. Bis 1942 sind insgesamt 348 Häuser mit 1274 Wohnungen und 84 sonstige Einheiten, wie Läden, Büros und Garagen gebaut worden.

Die Nachfrage nach Genossenschaftswohnungen konnte in keiner Weise befriedigt werden, weil gute und moderne Wohnungen mit allen zeitgemäßen sanitären Einrichtungen zu günstigen Mietpreisen sehr begehrt waren.

Der Krieg unterbrach die weitere erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens und trug auch nach Rheinhausen durch die Bombenangriffe Tod und Zerstörung. Bei Kriegsende lagen zahlreiche Häuser in Schutt und Asche und viele Wohnungen waren gar nicht mehr, andere kaum noch bewohnbar. Die Wohnungsnot nahm, jedenfalls für unsere heutigen Begriffe, unvorstellbare Ausmaße an, zumal auch die aus ihrer Heimat vertriebenen Menschen wohnraummäßig versorgt werden mussten.

Die Jahre nach dem 2. Weltkrieg waren überwiegend der Instandsetzung von Wohnungen und der Ausbesserung von Schäden an den Häusern sowie dem Wiederaufbau der zerstörten Gebäude gewidmet. Dabei waren bis zur Währungsreform praktisch weder Arbeitskräfte noch Baumaterialien gegen normale Bezahlung zu haben.

(aus Festschrift: 50 Jahre, 1919-1969)


Es wird wohl in diesem Zusammenhang sicherlich die in den letzten Jahren geleistete Wiederaufbauarbeit von Interesse sein. Teils aus eigenen Mitteln, teils mit Unterstützung der Gewerkschaft Diergardt-Mevissen und mit den seitens des Landes zur Verfügung gestellten Aufbaudarlehen konnten rd. 180 teilbeschädigte Wohnungen instandgesetzt, 5 totalzerstörte Häuser mit 25 Wohnungen aufgebaut, durch Ausbau der Dachgeschosse in diesen Häusern zusätzliche 5 Wohnungen gewonnen und damit sämtliche ertragmindernden Kriegsschäden beseitigt werden. Die in Eigenregie des Vereins tätigen Handwerker (Dachdecker, Schreiner, Verputzer) sind mit der Durchführung kleinerer Instandsetzungsarbeiten und der Instandhaltung des gesamten Besitzes betraut.

Darüber hinaus wurden – da Mittel für größere Bauvorhaben kurz nach der Währungsreform noch nicht erhältlich waren - in den Genossenschaftshäusern weitere 15 Dachgeschosswohnungen ausgebaut. Ein kleines Treibhaus mit Wohnung für unseren vereinseigenen Gärtner, dem die Pflege der Vorgärten unserer Häuser obliegt, steht vor der Fertigstellung. Der bereits bei Kriegsbeginn geplant gewesene Ausbau der Ecke Krefelder Straße / Bahnhofstraße konnte - nachdem die Finanzierung mit Hilfe der Fa. Stahlbau restlos gesichert war - vor einigen Wochen in Angriff genommen werden. Es erstehen hier 3 Häuser mit insgesamt 24 Wohnungen und 2 größeren Läden. Nachdem die Enttrümmerung bereits durchgeführt ist, ist mit dem Wiederaufbau des kürzlich erworbenen Trümmergrundstücks Dorotheenstraße 16/ Ecke Berthastraße ebenfalls begonnen worden, wodurch weitere 11 Wohnungen und 1 Ladenlokal geschaffen werden.

Neben der Planung und Errichtung dieser Eigenbauten hat es sich die Genossenschaft auch angelegen sein lassen, die örtliche Siedlergemeinschaft e.V. durch die Übernahme der Trägerschaft zu unterstützen. Nachdem die langwierigen Verhandlungen wegen des Geländes, der Bauplanung, der Finanzierung usw. zu einem befriedigenden Abschluss gebracht wurden, kann in Kürze in der Klanklang mit der Ausschachtung für 7 Doppelhäuser = 28 Wohnungen ein Anfang gemacht werden.

Abschließend gestatten wir uns und allen Interessenten noch einen Blick in die nächste Zukunft. Ein eigenes bescheidenes Siedlungsprogramm für Bergleute ist auf dem Gelände zwischen Verbands-, Rhein- und Ferdinandstraße geplant. Nach den bereits fertiggestellten Entwürfen werden hier 30 Wohnungen erstehen. Ein großzügiges Projekt auf dem Gelände Friedrich-Alfred-Str. / Georg- und Hildegardstraße ist ebenfalls in Vorbereitung und dürfte bei weiterer günstiger Entwicklung der bereits eingeleiteten, erfolgversprechenden Finanzierungsverhandlungen mit rd. 100 Wohnungen und 12 Ladenlokalen das Bauprogramm des nächsten Jahres werden. Bei Verwirklichung dieses Planes würde der Stadtkern eine entscheidende Verbesserung erfahren, weil eine hässliche Baulücke wenigstens auf einer Seite der Friedrich-Alfred-Straße geschlossen würde. Es steht daher zu erwarten, dass die Genossenschaft gerade hierzu die Unterstützung aller behördlichen und industriellen Stellen erfährt.

(aus Festschrift: 30 Jahre, 1919-1949)

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