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1930-1949

1930: Die sich abzeichnende Wirtschaftskrise machte jede Planung unsicher. Die Geldverknappung und Arbeitslosigkeit wirkten sich ungünstig auf die Tätigkeit der Genossenschaft aus. Die Einzahlungen an Spargeldern und Mitgliederbeiträgen gingen erheblich zurück. Außerdem führte die mangelhafte Zahlungsfähigkeit der Mieterschaft zu erheblichen Mietrückständen.

1931: Als größtes Bauvorhaben entstanden Häuser am Altstadtring/Broitzemer Straße.

1933: Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden alle 0rganisationen gleichgeschaltet und das Führerprinzip eingeführt Die BBG erhielt einen Staatskommissar. Er berief zum 30. Mai eine Mitgliederversammlung im „Hofjäger“ ein, auf der die Gleichschaltung und das Geschäftsergebnis von den Mitgliedern bestätigt wurden. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes, des Aufsichtsrates und der Vertreterversammlung wurden ihrer Posten enthoben und an ihrer Stelle Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung eingesetzt. Das wirtschaftliche Potential der BBG musste den politischen Zielen des Nationalsozialismus untergeordnet werden. Am 8. September wurde die BBG als gemeinnütziges Wohnungsunternehmen nach dem Gemeinnützigkeitsgesetz anerkannt.

1934: Die Bauarbeiten wurden von nun an vollständig an das ortsansässige Handwerk vergeben und die bestehenden Regiebetriebe aufgelöst Die Ziegelei wurde verkauft. Das von der Firma Zeitter & Winkelmann erworbene leerstehende Fabrikgebäude Hermannstraße wurde zu 40 räumlich großen Wohnungen für kinderreiche Familien ausgebaut. In kleinem Rahmen begann man mit dem Versuch einer Einfamilienhaus-Siedlung am Bienroder Weg. An der Tuckermann-/Goslarschen Straße wurden 88 Wohnungen fertiggestellt. Hatte sich die Bautätigkeit bisher hauptsächlich auf den Geschossbau erstreckt, so widmete man sich nunmehr in großem Umfange dem Flachbau in Form von Ein- und Zweifamilienhäusern.
Für die Gemeinschaftssiedlung Lehndorf hatte die BBG Eigenheime zu erstellen. Bis 1935 entstanden 344 Eigenheime, die den Hauserwerbern nach Durchführung der Baumaßnahme übereignet wurden. Auf dem genossenschaftseigenen Gelände in Querum wurden 49 Kleinsiedlungshäuser errichtet und verkauft.

1935: In der städtebaulich geschlossenen Siedlungsanlage Siegfriedviertel wurden 94 Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut, weitere 120 wurden geplant.

1937: Im Zuge der Aufrüstung erhielt die BBG den Auftrag, für die Arbeiter einiger Braunschweiger Industriebetriebe werknahe Wohnungen zu errichten. Von 1938 bis 1941 entstanden 996 Wohnungen in der Schuntersiedlung (1937/3 8), 475 Wohnungen im Sackringviertel (1939/41). Auf die Feier zum 50-jährigen Bestehen fiel ein politischer Schatten. Die in größerer Auflage bereits fertiggestellte Jubiläumsschrift wurde von den politischen Machthabern beschlagnahmt. Der Geschäftsführer Grundmann, der die Schrift verfasst hatte, wurde seines Postens enthoben. An die Spitze der Genossenschaft gelangten Männer, die weniger fachlich, sondern politisch ausgewählt waren. Von der BBG wurde für alle Mitglieder, die ihren Geschäftsanteil voll eingezahlt und das 60. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten, eine Sterbeversicherung eingeführt. Bei Zeichnung eines zweiten Anteils erhöhte sich die Sterbegeldversicherung auf 1000 Reichsmark.

1939: Es lohnt sich, eine Bilanz zu ziehen. Von 1887 bis 1939 entstanden 944 Wohnhäuser mit 3.875 Mietwohnungen; 37 Erwerbshäuser mit 186 Mietwohnungen; 393 Siedlungshäuser mit 393 Eigenwohnungen: insgesamt 1.374 Häuser mit 4.454 Wohnungen. Der BBG gehörten 5.667 Mitglieder mit 6.188 Geschäftsanteilen an. Die Haftsumme belief sich auf 3.094.000,- RM, die Geschäftsguthaben aller Mitglieder betrugen 2.739.299,86 RM, an Spareinlagen waren eingezahlt 4.376.984,35 RM. Der Ausbruch des Krieges führte zu einem Weltkrieg. Er forderte unsinnige Menschenopfer, brachte die Zerstörung vieler Städte und die Vertreibung von Millionen Menschen.

1941: Die im Bau befindlichen Neubauvorhaben wurden zunächst noch weitergeführt. Ende 1941 musste jegliche Bautätigkeit eingestellt werden.

1943: Mit dem Einsetzen der Luftangriffe auf die Stadt Braunschweig traten auch erhebliche Zerstörungen an den Bauten der BBG ein. Den ersten Verlust durch einen Bombenangriff erlitten die beiden Achtfamilienhäuser Wilhelm-Raabe-Straße 13 und 14, die stark beschädigt wurden. Bei allen weiteren Luftangriffen wurden Wohnhäuser der Genossenschaft in fast allen Wohnbezirken mehr oder weniger beschädigt oder total zerstört. Es fehlten Baustoffe und ausreichende Arbeitskräfte, um die Schäden beseitigen zu können. Bei Beendigung des Krieges waren vom Besitz der Genossenschaft etwa 20 Prozent des Wohnungsbestandes total zerstört. Die Zerstörungen stellen sich wie folgt dar: 78 Häuser mit 327 Wohnungen total zerstört; 133 Häuser mit 339 Wohnungen teilbeschädigt, aber noch teilweise bewohnbar; 322 Wohnungen mit einem bzw. zwei beschädigten Räumen. Nur dem Umstand, dass die Wohnungen der BBG in den Außenbezirken der Stadt lagen, ist es zu verdanken, dass die Eigenverluste im Vergleich zu den Zerstörungen in der Innenstadt geringer waren.

1945: Mit dem Kriegsende mussten zunächst die Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Verwaltung der BBG geschaffen werden. Durch Verfugung des Braunschweigischen Staatsministers für Finanzen vom 23. Mai 1945 wurden die bis zum 1. April 1945 im Amt gewesenen Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates ihrer Ämter enthoben. Zu vorläufigen Mitgliedern des Vorstandes wurden bestellt: Kaufmann Kurt Kirchner und Architekt Willi Neddermeier. Die vordringlichste Aufgabe war die Instandsetzung der zerstörten Gebäude. Indes, es fehlten Baumaterial und Arbeitskräfte. Mit vier Handwerkern der Eigenbetriebe, die der BBG noch zur Verfügung standen, wurde als erstes Gebäude das in den letzten Tagen des Krieges durch eine Luftmine stark beschädigte Wohnhaus Goethestraße 9 wieder instandgesetzt. Mit dem Ausbau der Regiebetriebe konnte der Wiederaufbau systematisch und mit Nachdruck fortgesetzt werden. Auch die Mitglieder beteiligten sich am Wiederaufbau. So konnten bis zum 31. Dezember 1945 durch Selbsthilfe der Mitglieder 47 Wohnungen wiederhergestellt werden. Am 16. Dezember fanden nach l4jähriger Unterbrechung wieder Wahlen zur Vertreterversammlung statt. Die gewählten Vertreter bestätigten in der Vertreterversammlung am 20. Januar 1946 den bisher kommissarisch eingesetzten Vorstand und Aufsichtsrat.

1946: Nach einer kurzfristigen Beschlagnahme des Verwaltungsgebäudes im April 1945 durch amerikanische Truppen, beschlagnahmte die englische Besatzungsbehörde das Verwaltungsgebäude erneut. Die Verwaltung musste in dieser Zeit häufiger umziehen. Zwischenzeitlich fand sie ein Domizil nacheinander in den Häusern Walkürenring 20, Jasperallee 2 und in der Schillerstraße 5.

1948: Das Währungsgesetz vom 21. Juni setzte die Reichsmark außer Kurs und führte in den drei Westzonen die Deutsche Mark als Zahlungsmittel ein. Mit der Währungsreform war auch eine Neubewertung der Vermögensverhältnisse verbunden. Am 21. Juni, dem Tag der Währungsreform, waren 905 Wohnhäuser mit 3.713 Wohnungen im Besitz der Genossenschaft. Die Bilanzsumme belief sich in der Reichsmark-Schlussbilanz auf 42.588.887 RM, die DM-Eröffnungsbilanz auf 17.573.410 DM. Die Sparguthaben wurden auf 10 Prozent abgewertet.

(aus Festschrift: 100 Jahre Braunschweiger Baugenossenschaft eG, 1887-1987)

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