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1930-1949

Während des Nationalsozialismus folgten nur zwei kleinere Bauabschnitte 1935 und 1940. Auch in anderer Hinsicht kam das Unternehmen zum Stillstand. Der Gründer und Förderer der Gartenstadt, Karl Thiel, musste 1934 als Vorstand der Gartenstadt Hüttenau ausscheiden. Er verließ ein blühendes Gemeinwesen mit 560 von Gärten umgebenen Einfamilienhäusern und 15 Geschäftshäusern, mit einer auf den Höhen der Langen Horst gelegenen 20-klassigen Schule, der ein Stadion vorgelagert ist, mit katholischer Kirche und evangelischem Gemeindehaus, Friedhof und Ehrenmal, Spielplatz und 50 Morgen Gemeindewald, Grünanlagen und Ruhebänken.

Bereits 1928 war der Brunnen am Bebelplatz nach Thiel benannt worden. Während der Feier sagte Thiel unter anderem: "Ich bin nicht imstande, den Gefühlen, die mich im Augenblick bewegen, den rechten Ausdruck zu geben. Es ist das erstemal in meinem Leben, daß ich solche öffentliche Auszeichnung genieße." Der Brunnen sei "Sinnbild des Genossenschaftsgeistes, aus dem die Siedlung entstand. Die Arbeit am Gemeinwohl ist die einzige tiefe Befriedigung, die der Mensch findet."

Die Nationalsozialisten störte es, daß Karl Thiel Freimaurer war. Die Freimaurerlogen gingen damals von der Verantwortung des einzelnen Individuums für die Probleme der Allgemeinheit aus. Am 6. März 1934 wurde Thiel als Amtsdirektor mit einer fadenscheinigen Begründung in den Ruhestand versetzt. Der "Thiel-Brunnen" am Bebelplatz wurde zerstört. Thiel kämpfte in einer Serie von Prozessen um seine Rehabilitierung. "Seelisch und körperlich zerbrochen, von vielen alten Freunden verlassen, wenn auch nicht immer vergessen, starb er zu Dortmund am 1. Oktober 1942."

Unmittelbar nach Kriegsende musste es für die Gartenstadt und die Kommunalpolitik nicht um Neubau, sondern um Wiederinstandsetzung gehen. Im Jahre 1945 waren von 684 Wohnungseinheiten 180, also mehr als ein Viertel, durch Bomben stark beschädigt. Zudem waren Welper und andere umliegende Orte mit der anstehenden Demontage der Henrichshütte in ihrer Existenz bedroht; die Demontage konnte erst 1949 abgewendet werden. Die Politiker wurden darüber hinaus durch andere dringende Probleme in Atem gehalten: politische Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit der ersten freien Wahl 1946 und die Integration der Flüchtlinge. Die Entscheidung, Ostvertriebene und Alteingesessene bei der Zuteilung von Wohnungen zu "mischen" und damit keine "Flüchtlingsghettos" zuzulassen, bewährte sich. Nicht zuletzt waren die ökonomischen Möglichkeiten und damit letztlich auch die Ansprüche gering - das Denken kreiste eher darum, wie man satt werden konnte. So kam es, dass die Gartenstadt ihren Bestand an Wohnungen in der Zeit zwischen 1945 und 1949 nur um eine Wohnungseinheit vergrößerte.

(aus Festschrift: 75 Jahre Gartenstadt Hüttenau eG, 1909-1984)
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