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1919-1929

Es hört sich alles so einfach an: Auf einer Bürgerversammlung am 29. Juli 1919 im Saal von Albert Groß in Immigrath wurde nach längerer Aussprache beschlossen, einen Bauverein zu gründen. 78 Bürger trugen sich zum Schluss der Versammlung als Mitglied in die Aufnahmeliste ein. Am 9. August wurde ins Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Opladen unter der Nr. 42 der "Bauverein Langenfeld, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht mit Sitz in Langenfeld Rheinland", aufgenommen.

Das war ein kühnes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass der Wohnungsbau während des Krieges völlig zum Stillstand gekommen war, jedoch viele der 12.982 Ende Dezember 1918 registrierten Einwohner Langenfelds in ärmlichen, beengten Wohnverhältnissen lebten. Und wer hatte nach dem verlorenen Krieg noch Geld und den Mut, neue Bauvorhaben zu planen und durchzuführen? Es fehlte doch an allem: Kapital und persönliche Initiative, Material und Wille zur Investition. Es sind jedoch gerade diese Umstände gewesen, die zu alternativen Überlegungen zwangen, wenn sich das inzwischen eingetretene Wohnungselend - Familien mussten in räumlich ohnehin schon unzureichenden Wohnungen zusammenrücken, um den aus dem Krieg Zurückgekehrten und den neugegründeten Familien ein Obdach zu gewähren - nicht auf Jahre und Jahrzehnte hinaus verfestigen sollte.

Eine richtige, selbstgestellte Aufgabe - doch was nützt ein Bauverein, dem Land und Geld fehlen? Die Mitglieder hatten ja oft größte Mühe, ihr Eintrittsgeld von 30 Mark und den Genossenschaftsanteil von 400 Mark aufzubringen. Unter den Gründern befanden sich jedoch viele Förderer aus Industrie, Handel und Handwerk wie Carl Becker, Firmenchef der Weberei an der Hitdorfer Straße, die der jungen Genossenschaft weitestgehende Unterstützung zusicherten. Und da auch die Gemeinde der Genossenschaft beigetreten war und juristisches Mitglied bis auf den heutigen Tag ist, wurde von ihr ebenfalls Hilfe und Unterstützung erwartet. Die Hoffnung war, wie sich sehr bald herausstellte, durchaus berechtigt. Der erste Schritt und ganz entscheidend für die weitere Entwicklung des Bauvereins war der Erwerb des ersten Baugeländes von 113.116 qm Größe für 62.047 Mark.

Fast gleichzeitig mit dem ersten Landerwerb wurde von der Gemeinde ein Grundstück am Kurfürstenweg, am Rande des heutigen Industriegebiets Langenfeld-Ost, gekauft mit dem Ziel, Einfamilienhäuser für Kriegsbeschädigte zu erstellen. An der Richrather Straße wurden zehn Häuser mit 22 Wohnungen, an der Langforter Straße vier Einfamilienhäuser und am Kurfürstenweg acht Einfamilienhäuser hochgezogen.

Diese ersten, sichtbaren Anfangserfolge wurden jedoch schon bald durch eine ständig wachsende Geldentwertung, eine galoppierende Inflation unterbrochen. So wurden die an der Langforter Straße fertiggestellten vier Häuser mit geradezu astronomischer Summe von über 400 Billionen Mark abgerechnet. Der Währungsschnitt im Jahre 1924, die Umstellung auf Reichsmark, traf die Genossenschaft und ihre Mitglieder hart: Sie mussten ihren entwerteten Genossenschaftsanteil aufs neue einzahlen, doch wurde er auf 300 RM herabgesetzt. Der Hausbesitz wurde mit Hauszinssteuer-Hypotheken belastet, mit denen der Wohnungsbau wieder angekurbelt werden sollte.

Tatsächlich erwies sich dieser Weg als gangbar - die Bautätigkeit kam allmählich wieder in Schwung. Der Bauverein sorgte für weitere Bauvorhaben im Bereich Steinrausch, Richrather Straße, Langforter Straße und Jahnstraße mit 18 Häuser und 48 Wohnungen. Mit der allmählichen Erholung der Wirtschaft stiegen auch der Lebensstandard und damit die Ansprüche an die Wohnungen. So mussten die neuen Wohnungen des Bauvereins bereits besser als die ersten Objekte ausgestattet werden, natürlich mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Baukosten, aber auch auf die Mietpreise. Diesen "gehobenen" Ansprüchen wurden zum Beispiel die um 1930 gebauten sechs Häuser mit 24 Wohnungen im Steinrausch gerecht.

(aus Festschrift 75 Jahre, 1994)
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