1919-1929
Erst im Jahre 1919 war es wieder möglich, den immer noch dringenden Bau von Wohnungen wieder aufzunehmen. Bebaut wurden Grundstücke an der Breiten Straße, Windthorststraße‚ Ferdinandstraße und Goethestraße. Die Finanzierung der Bauvorhaben war bei der immer mehr fortschreitenden Geldentwertung nur unter Zuhilfenahme öffentlicher Zuschüsse des Reiches, des Staates und der Gemeinde möglich. Wegen des 1919 herrschenden Arbeiter- und Materialmangels war es nicht möglich, die an gefangenen Arbeiten zu Ende zu führen. Die Wohnungen wurden erst im Jahre 1920 bezugsfertig.
1920 konnte nicht mit dem Bau von neuen Wohnungen begonnen werden, obgleich die vielen neuen Genossenschaftsmitglieder auf die Zuteilung einer Wohnung drängten. Die Zahl der Mitglieder hatte sich Ende 1920 bereits auf über 300 erhöht.
Es gelang 1921 die Bautätigkeit wieder aufzunehmen. Erbbaugrundstücke an der Hauenhorster Straße, Unterm Waldhügel und Schüttemeyerstraße wurden bebaut. Die Finanzierung erfolgte überwiegend durch die Hereinnahme von öffentlichen Zuschüssen. Die Höhe der erhaltenen Zuschüsse in den Jahren 1919-1922 für die vollendeten bzw. angefangenen Wohnungen beliefen sich auf 14 775 765,- Mark; das sind 70 % der Bilanz des Jahres 1922. Das Jahr 1923 sah nur eine geringe Bautätigkeit vor. Die Geldentwertung war bereits zu Beginn des Jahres so fortgeschritten, dass die Finanzierung von Neubauten nicht mehr möglich erschien. Trotzdem wurde noch ein Objekt mit 6 Wohnungen an der Hauenhorster Straße in Angriff genommen. Dieses Objekt bereitete der Genossenschaft aber viele Mühen und Sorgen und konnte erst kurz vor der Stabilisierung der Mark vollendet werden. Die Bilanz des Jahres 1923 konnte infolge der Geldentwertung eine ganz phantastische Zahl aufweisen. Die Bilanzsumme belief sich auf 1759200164584068,- Mark.
Das folgende Jahr 1924 brachte dann klare Vorschriften über die Finanzierung. Es wurde die Aufstellung der Goldmarkeröffnungsbilanz, beginnend am 1. 1. 1924, angeordnet. Die Bilanzsumme mit der Goldmarkeröffnung lag bei 391 755,73 GM. Gleichzeitig nahm die Genossenschaft die Neubautätigkeit wieder auf. Die Finanzierung der Gebäude erfolgt überwiegend mit Hilfe von Hauszinssteuerdarlehen.
Das Jahr 1926 brachte in vielen Punkten Klarheit in Aufwertungsfragen. So wurde u. a. mit verschiedenen Gläubigern eine Einigung über den Umfang der Aufwertung erzielt. Die Geschäftsguthaben waren schon 1925 wieder auf 100 % aufgewertet.
(aus Festschrift: 75 Jahre Wohnungs-Verein Rheine eG, 1911-1986)
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