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1919-1929

Der Hörder Spar- und Bauverein errichtete 120 Wohnungen zwischen 1919 und 1929.

Das Genossenschaftsmitglied Franz Behler erinnert sich. Franz Behler ist heute 75 Jahre alt und wohnt seit Mitte der 20er Jahre in einer Genossenschaftswohnung Am Bruchheck. Er wurde 1922 in der Teutonenstraße 15 geboren. Seine Großeltern zählten zur Gründungsgeneration des Hörder Sparund Bauvereins und gehörten zu den Mietern eines der ersten Genossenschaftshäuser an der Teutonenstraße. Franz Behler erinnert sich an die Wohnverhältnisse der 20er Jahre:

„Der gesamte Häuserblock war damals schon bebaut. In vielen Häusern waren kleine Geschäfte. Da gab es beispielsweise den Milchbauern Schminke, der hatte im Innenhof des Häuserblocks seinen Wagen und hintenrum seinen Pferdestall. Da hatte er auch die Futterkrippe mitsamt dem Heu und dem Hafer. Der Schminke ging ja damals noch immer mit seiner Milchbütte in alle Häuser, treppauf, treppab. Die Wohnungen wurden alle beliefert. Die haben ihre Kanne da gehabt, einen viertel Liter, einen halben Liter und jeder hatte sein Pöttchen schon auf dem Ofen stehen. Waren die Mieter nicht da, wurde Geld neben die Milchkanne gelegt. Da wurde nur eingegossen und dann war die Sache okay.

Neben Schminke war die Backstube der Bäckerei Auffermann und die Wurstküche von Metzger Wäller. Über der Backstube wohnten die Gesellen von Bäcker Auffermann.

Hinten gab es da eine Mauer im Hof. Dahinter waren die Werkräume für den Malermeister Lehmeier, der Bauhof der Gebrüder Demme, und hier hatte auch Alfred Steinfort seine Werkstatt. Der wohnte bei uns im Haus Am Bruchheck 50 und hatte da auch ein Blindengeschäft mit Besen, Bürsten und der Reparatur von Rohrstühlen. Und in die Werkstatt auf dem Hof sind wir als Kinder immer reingegangen, wenn wir zum Beispiel Probleme mit unserem Roller oder dem Fahrrad hatten und so.

Kinderspiele:
Außerdem haben wir uns bei Steinfort mal eine Seifenkiste zusammengebaut. Wir waren immer so zehn Mann, hatten aber nur eine Seifenkiste. Dann haben wir uns immer mit zwei Parteien zusammengetan. Der eine hat sich drauf gesetzt und gelenkt, und der andere hat geschoben. Wir saßen dann meistens bei Lethaus auf der Treppe. Und dann wurde geschoben, einmal um den Block, und der Sieger wurde ermittelt. In dem Hofdurchgang zu Lethaus haben wir als Kinder auch immer gern gespielt. Spielplätze wie heute gab es damals ja gar nicht. Die Mädchen spielten Springseil oder mit ihren Puppen. Und wir Jungen haben da in der Gasse bei Lethaus rumgebolzt. Da trafen wir uns und konnten prima mit dem Ball Bande spielen, fast wie heute beim Hallenfußball. Da gab es sogar zwei Tore. Das waren dann so die Spiele unserer Zeit. Und, genau wie heute, gab es natürlich Nachbarn, die sich über den Lärm beschwert haben. Als wir dann älter wurden, sind wir ausgewichen auf den Aschenplatz vorne am Goystadion, wo heute der Kindergarten ist. Da, wo heute das Haus Am Bruchheck 64 steht, war in den 20er Jahren der Sandkasten für die kleineren Kinder mit Sitzbänken für die Mütter. Dahinter war ja noch alles Feld. Die Kirschenallee in der Sugambrerstraße, die gab es damals schon. Das war schon immer eine der schönsten Straßen in Dortmund.

Kinderschützenfeste
Höhepunkte für uns Kinder waren immer die jährlichen Kinderschützenfeste. Die wurden meist block weise gefeiert. Beim Milchbauern Schminke war dann die Unterkunft. Dann haben wir den Wagen rausgeschoben und dann wurden da Tische und Bänke reingesetzt. Versorgt wurden wir nachmittags bei den Festen vom Bäcker Auffermann mit "Beerdigungskuchen". Das war Streusel- und Apfelkuchen. Abends gab es dann Kartoffelsalat, den hatten die Eltern gemacht. Und der Metzger Wäller hatte dazu die Würstchen gespendet. Und wenn das Fest zu Ende war, dann hatten wir unsere Fackeln und machten eine Runde um den Häuserblock. Bei den Schützenfesten da wurde ja nicht geschossen. Die Eltern, die sich dafür engagierten, haben das in die Hand genommen und unter sich ausgemacht: "Junge, Du wirst diesmal Schützenkönig!"

Wohnverhältnisse:
Auf den großen Wiesen im Innenraum des Wohnblocks durften wir nicht spielen. Das war die Bleiche. Da wurde die Wäsche getrocknet. Das wurde auch ausgiebig von den Frauen genutzt. Die Wäsche wurde ja noch flach gelegt. Ich hab mich immer gewundert, dass bei diesem Dreck in Hörde die Wäsche überhaupt weiß blieb.

Es gab ja damals in diesen Häusern Wohnungen, die hatten kein Bad und keine Toilette. Die Toilette war immer eine halbe Etage tiefer oder eine halbe Treppe. Im Haus Am Bruchheck 58-60 waren sogar noch die Toiletten auf dem Hof.

Wir lebten damals mit fünf Personen auf 40 Quadratmetern, ohne Bad und ohne Toilette. Das Problem war immer, wenn Waschtag war. Dann wurde die Waschmaschine reingeholt und dann gab es immer Unruhe in der Wohnung. Das war so ein Ungetüm mit Schwengel, da mußte ich dann als Junge auch schon mal dran. Das stärkte die Muskeln. Die Waschmaschinen hatten so Stahlfüße. Da hatte Vater so kleine Brettchen gemacht, damit ja nicht der Fußboden verkratzt wurde. Da war ja auch noch der Wringer dran und dann musste man immer davorstehen, damit das Ding ja stehen blieb. Das fand damals alles in der Wohnung statt.

Waschküchen gab es noch nicht. Die wurden erst Anfang der 30er Jahre eingerichtet. Die hat der Bauunternehmer Demme gebaut. Der hatte damals mit seiner Familie das Baugeschäft für den Spar- und Bauverein. Sein Bauhof lag auch im Innenhof des Wohnblocks. Und je nachdem wo Platz war, hat der Demme die Waschküchen eingebaut. Entweder im Keller oder auf dem Boden. Und dadurch hatten wir Gelegenheit zum Baden. Das Baden war ja nun auch ein Problem. Da kam Wasser in den Einkochkessel. Der wurde auf den Ofen gestellt. Dann wurde die Zinkbadewanne aus dem Keller geholt, wurde in die Wohnung reingezerrt und dann wurden wir da gebadet. Und zum Trocknen wurden wir wieder rausgeholt und neben den Ofen gesetzt. Der Vater konnte ja auf dem Werk baden.“

(aus Frestschrift: 100 Jahre gws, 1897-1997)

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