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1919-1929

1919: Die Baugenossenschaft erwarb eine Ziegelei in Querum, um bei der Lieferung von Mauersteinen und Dachziegeln unabhängig zu sein. Es fehlte jedoch Kohle zum Brennen der Steine. Aus Heeresbeständen wurde ein LKW mit Hänger angeschafft, um die Kohle aus Schöningen abholen zu können.

1920: Als erstes Haus nach dem Kriege begann die BBG mit der Erstellung eines Doppelhauses in der Goethestraße. Die Bauzeit zog sich über zwei Jahre hin, bedingt durch Mangel an Baumaterial und andere Einflüsse. Die finanzielle Lage der BBG erlaubte es, Bauland auf dem Aerkeröder Feld (heute Siegfriedviertel) und der Charlottenhöhe zu erwerben. Am Bienroder Weg wurde der Neubau mehrerer Zweifamilien-Doppelhäuser fertiggestellt. An der Wilhelm-Raabe-Straße entstand ein Doppelhaus mit 16 Wohnungen. Die Mitgliederzahl war auf 2536 Genossen angestiegen. Um die Mitglieder mit billigem Brennmaterial versorgen zu können, eröffnete die Genossenschaft einen eigenen Kohlenhandel.

1923: Eine galoppierende Geldentwertung ließ die Bautätigkeit zum Erliegen kommen. Durch die Inflation musste von weiteren Neubauten Abstand genommen werden. Der Geldkurs änderte sich täglich. Mehrmals in der Woche mussten Gehalts- und Lohnvorschüsse gezahlt werden, damit die notwendigsten Lebensmittel eingekauft werden konnten. Die Notenpresse druckte immer mehr wertlose Scheine. Die Goldmark von einst war am 1. September 1923 1000000000000 Mark, Tausend Billionen Mark, wert. Der Geschäftsbericht der BBG für das Jahr weist die kaum auszusprechende, unvorstellbare Summe von 4222311196690617,19 Papiermark aus. Dem Zeitdruck folgend, beschloss die Generalversammlung am 4. Juni 1923 die Geschäftsanteile auf 5000 Mark bei mindestens 200 Mark monatlicher Einzahlung zu erhöhen. Der Geldentwertung wurde am 1. November 1923 durch die Einführung der Rentenmark zum Segen aller beendet.

1924: Die Generalversammlung am 30. Juni genehmigte die Goldmark-Eröffnungsbilanz der BBG über 3031658,50 Goldmark. Die BBG hatte den Krieg, die Not der Nachkriegszeit und die Inflationsjahre ohne größere Vermögenseinbußen überstanden. Alle bis zum 31. Dezember 1917 eingezahlten Geschäftsguthaben und Spareinlagen wurden zum vollen Nennwert aufgewertet, die vom 1. Januar 1918 bis 31. Dezember 1923 eingezahlten Anteile und Spareinlagen sind nach dem durchschnittlichen Dollarwert zum Zeitpunkt ihrer Einzahlung umgewertet worden. Den Mitgliedern war von ihren eingezahlten Geldern nichts verlorengegangen. Dadurch wurde das Vertrauen in die Baugenossenschaft gestärkt. Die Mitgliederzahl schnellte von 3271 im Jahre 1924 auf 5871 im Jahre 1932. Die Haftsumme und der Geschäftsanteil wurden neu auf 500 Goldmark festgesetzt. Eine vorausschauende Geschäftspolitik hatte bewirkt, dass alle Hypothekendarlehen gelöscht wurden. Nunmehr war es möglich, die Neubauten aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Baupreise.

1925: In der Kalandstraße wurde ein 12-Familien-Haus fertiggestellt und mit dem Bau von vier 8-Familien-Häusern und zwei 6-Familien-Hausern in der Melanchthon- und Honrothstraße begonnen. Außerdem gelang es dem Vorstand, Bauland an der Hänselmannstraße, der Herzogin-Elisabeth-Straße und Am Wendenwehr zu erwerben. In diesem Jahr waren 1/5 aller in der Stadt Braunschweig erbauten Wohnungen von der BBG erstellt worden. Von den 90 geplanten Wohnungen wurden 52 sofort in Angriff genommen.

1927: Die Aufgaben und der Geschäftsbetrieb hatten sich erheblich ausgeweitet. Das machte es notwendig, den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes zu betreiben. Eine günstige Gelegenheit hierzu ergab sich hei der Errichtung des Wohnblocks Am Wendenwehr. Die im Erdgeschoss gelegenen Räume Am Wendenwehr 21 wurden als Geschäftsräume eingerichtet.

1928: Am 22. Mai konnte das zweite Verwaltungsgebäude der BBG bezogen werden. Das Geschäftsjahr wurde zum erfolgreichsten Jahr der BBG. 1.089 Mitglieder traten der Genossenschaft bei, die Anteile überstiegen 5.000, an Spareinlagen wurden 597.504,40 Mark, an Mitgliedsbeiträgen 308.258,95 Mark eingenommen. Insgesamt konnten 213 Wohnungen zum Bezug fertiggestellt werden. Das hatte es bisher noch nicht gegeben. Erstmalig entstanden Wohnungen im Siegfriedviertel. Die ersten Häuser baute die BBG in der Siegfriedstraße und am Walkürenring. Fs wurde zum bisher größten geschlossenen Bauprogramm. Aber auch in der Löns-, Hänselmann- und Goethestraße wurden 54 Wohnungen erstellt.

(aus Festschrift: 100 Jahre Braunschweiger Baugenossenschaft eG, 1887-1987)

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