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1900-1918

Dass die „Heimkehr“ einmal eine solch große und erfolgreiche Genossenschaft wird, das konnten die mutigen Gründer des Unternehmens kaum erahnen. Ihre Vision war es, möglichst viele Wohnungen zu günstigen Mieten zu errichten, denn der Bedarf an menschenwürdigen, gesunden und preiswerten Wohnungen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewaltig. Den Grundstein dazu legte Obertelegraphenassistent Otto. Er machte sich Gedanken über die trostlosen Unterkünfte seines Berufsstandes. Schließlich regte er seinerzeit an, ein Wohnungsunternehmen auf genossenschaftlicher Basis zu gründen.

In Hannover gab es schon ein Vorbild: Mit der Gründung des Spar- und Bauvereins eGmbH hatte sich bereits 1885 ein zukunftsträchtiges Genossenschaftsmodell durchgesetzt, das die Grundlage für eine Gesetzesvorlage bildete und 1889 schließlich in einem neuen Genossenschaftsgesetz mündete. Erstmals wurde dabei eine beschränkte Haftpflicht zugelassen, die dem Genossenschaftswesen in Deutschland einen enormen Auftrieb verlieh und zum endgültigen Durchbruch der Selbsthilfeorganisationen verhalf.

Vor diesem Hintergrund ergriffen 158 engagierte Menschen am 25. Mai 1900 die Chance und gründeten den Beamten-Wohnungs-Verein für Hannover und Umgegend e.G.m.b.H., einer der Vorläufer der heutigen Wohnungsgenossenschaft Heimkehr. Das Unternehmen in der jetzigen Form besteht seit 1943 nach der Verschmelzung des Beamten-Wohnungs-Vereins und der Wohnungsbaugenossenschaft Heimkehr sowie drei weiteren kleineren Genossenschaften.

Wie die Firmenbezeichnung ausdrückt, sollte die Selbsthilfeorganisation die örtliche Beamtenschaft mit geeigneten Wohnungen versorgen. Wie bei allen gemeinnützigen Genossenschaften verschrieb sich der Beamten-Wohnungs-Verein dem Leitsatz „Einer für alle, alle für Einen“. Ein gutes Vierteljahrhundert später befanden sich immerhin noch mehr als 30 der 158 Gründungsmitglieder unter der auf rund 2.000 Genossen angewachsenen Mitgliederschar. Bereits vor dem unseligen Dritten Reich konnte sich der Beamten-Wohnungs-Verein als die stärkste Baugenossenschaft in der Region Hannover betrachten.

Schon 10 Monate nach der Gründung konnte der Bauverein mit großem Stolz am 1. April 1901 die ersten drei Wohnhäuser fertigstellen. Bei den Wohnungen Am Schatzkamp 27-29 im Stadtzentrum handelte es sich um Wohneinheiten mit vier beziehungsweise fünf Räumen, einschließlich Küche, Speisekammer, Bad, Klosett und Diele. Als eigentliche Keimzelle der Genossenschaft wird heute die Gartenvorstadt Waldheim angesehen. Dem Beamten-Wohnungs-Verein gelang es schon wenige Monate nach der Gründung, ohne viel Eigenkapital, ein 72.000 qm großes Ackerland für 1 75.000 Mark zu kaufen. Seinerzeit gehörte das erworbene Areal noch zur politischen Landgemeinde Döhren.

Damals war der Kauf noch mit der Vorstellung verbunden, Eigenheime für die Beamten zu schaffen. Deshalb wurden - entgegen der späteren Praxis - die erworbenen Grundstücke an die Mitglieder verkauft, ohne allerdings die Zusicherung zu haben, dass die Areale auch kurzfristig bebaut würden. Zudem bestand keine klar definierte öffentliche Bauordnung, so dass sich heute die verschiedensten architektonischen Stilrichtungen wieder finden.
Bis zum 25jährigen Bestehen des Beamten-Wohnungs-Vereins entstanden an
Hannovers südöstlichem Rand rund 70 Eigenheime und über 80 Mietwohnungen in Vereinshäusern. Die Wasserversorgung wurde durch ein eigenes Wasserwerk gewährleistet, die Entwässerung zunächst über Klärgruben und ab Anfang der 20er Jahre über die Kanalisation. Überhaupt muss die Schaffung der Wohnhäuser und der dazugehörigen Infrastruktur als wahre Pionierleistung bewertet werden, die heute kaum noch vorstellbar erscheint.

Der Erste Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 riss die Baugenossenschaft aus allen Träumen. Zwar entstanden 1915 noch vier Häuser mit 24 Wohnungen, womit der Bauverein bereits 42 Häuser mit 222 Wohnungen in unterschiedlicher Ausstattung: zum Teil mit eigenen Bädern, zum Teil mit Gemeinschaftsbädern, besaß. Doch dann war mit dem Bauen vorerst Schluss.

Der Beamten-Wohnungs-Verein beschränkte sich keineswegs auf die Bebauung des Stadtteils Waldheim. Häuser und Wohnungen entstanden ebenso in verschiedenen Gebieten Hannovers. Erwähnt wurden bereits die Häuser Am Schatzkamp. Im aufblühenden Listerfeld entstanden zahlreiche Wohnhäuser der Genossenschaft, so in der Husarenstraße 1903 und 1905 in der Göbenstraße. Nachfolgend konzentrierte sich der Bauverein auf die Verdichtung der Bausubstanz in jenen Straßenzügen. Insgesamt entstanden in diesem Stadtteil bis 1927 nicht weniger als 146 Wohneinheiten, im Jahr danach konnten in der angrenzenden Dennewitz- und Isernhagener Straße weitere 47 Wohnungen fertiggestellt werden.

So wie in Listerfeld zog die Genossenschaft in anderen Stadtteilen Wohnbauten hoch, wie etwa in Linden und in der Südstadt, wo allein insgesamt 117 Wohnungen entstanden. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang die 1912 gebauten Häuser in der Allmersstraße 8 und 9, denn für die künstlerische Gestaltung der Fassade wurde dem Architekturbüro vom Magistrat erstmalig die Bronzeplakette verliehen.

(aus Festschrift: 100 Jahre Wohnungsgenossenschaft Heimkehr eG, Hannover, 1900-2000)

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