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1897-1918
Die Gründung des Spar- und Bauvereins
Im Lokal des Wirtes Flabb, „Zur Reichspost“, fand am 11. Juli 1897 die Gründungsversammlung des Solinger Spar- und Bauvereins statt. 25 Anwesende stimmten über die Statuten ab und wählten einen Vorstand. Der damals übliche polizeiliche Überwachungsbericht konnte sich kurz fassen, denn politische, gar radikale Töne gab es nicht zu hören. Der neuen Genossenschaft ging es nicht um gesellschaftlichen Umsturz, sondern um praktische Reformen, um ein größeres Angebot preiswerter Wohnungen - zu schaffen durch die Selbsthilfe der wohnungssuchenden, ärmeren gesellschaftlichen Schichten.
Innerhalb von sieben Jahren, seit 1890, erhöhte sich die Einwohnerzahl Solingens um 7.000 auf rund 43.000. Der Wohnungsneubau konnte mit dem wachsenden Bedarf nicht Schritt halten, viele Menschen lebten in unzureichenden Wohnverhältnissen. Immer wieder wandten sich Mieter an die Polizeibehörden und protestierten gegen ihre Unterbringung. Im Januar 1897 suchte die Ehefrau des Fabrikarbeiters Engels das Polizeirevier auf und erzählte: „Wir wohnen hier zu Vorspel No. 11 bei dem Messerreider Wilhelm Sch., und besteht unsere Wohnung aus 3 Räumen. Von diesen sind zwei derart feucht (das Wasser läuft an den Wänden herunter), daß ein Bewohnen derselben bei der jetzigen Jahreszeit zur Unmöglichkeit geworden ist. Wir haben 3 kleine Kinder, welche bereits seit einiger Zeit sämtlich erkrankt sind, und muß als Ursache die Feuchtigkeit unserer Wohnung angesehen werden. Dem Sch. ist der Zustand unserer Wohnung wohl bekannt, derselbe ist von mir und meinem Mann wiederholt ersucht worden, Abhülfe zu schaffen oder uns die Wohnung räumen zu lassen. Er weigert sich dessen und verlangt vielmehr pünktlichste Miethzahlung.“
Viele Mieter kamen sich ausgebeutet vor, doch meist standen sie hilflos vor ihren Problemen, weil andere Quartiere fehlten. In einer Kellerwohnung musste eine Familie mit zwei Zimmern auskommen: Vater, Mutter, zwei erwachsene Jungen, ein erwachsenes Mädchen und vier kleine Kinder schliefen zusammen in vier Betten nebeneinander.
Die sich aus solchen Verhältnissen ergebenden Schwierigkeiten erkannten nicht nur die Betroffenen, sondern auch sozial denkende Bildungs- und Besitzbürger. Sie versuchten auf mehreren Wegen, den unteren gesellschaftlichen Schichten zu helfen. 1890 gründeten einige Honoratioren unter starker Beteiligung der Stadtverwaltung den „Solinger gemeinnützigen Bauverein“, eine Aktiengesellschaft. Die Gesellschaft erlangte indes nie große Bedeutung und wollte bereits 1897 ihr Vermögen auf die Stadt übertragen und sich auflösen, was die Stadtverordnetenversammlung aber ablehnte. Fürchteten sich die Vertreter im Stadtrat davor, Geld für sozialpolitische Maßnahmen aufzuwenden und in den privaten Wohnungsmarkt einzugreifen? Der Grund für die Erfolglosigkeit des gemeinnützigen Bauvereins lag letztlich darin, dass die Kluft zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft, zwischen Geldgebern und Wohnungssuchenden nicht überbrückt werden konnte. Die Aktionäre wollten auch Gewinne erwirtschaften und Dividenden sehen, dementsprechend „bescheiden“ sollten die wohnungssuchenden Arbeiter auftreten, wie es im Geschäftsbericht für 1897/98 hieß.
Die Solinger Spar- und Bauverein eGmbH konstituierte sich zunächst aus Arbeitern der Firma Weyersberg, Kirschbaum & Co. Auch der Geschäftsinhaber trat der Genossenschaft bei. Offensichtlich ging es ihm darum, seine Arbeiter durch bessere Wohnungen fest an die Firma zu binden. Schon nach wenigen Monaten schloss sich die Spar- und Baugruppe des evangelischen Arbeitervereins dem Spar- und Bauverein an. Die „Vereinigungs-Generalversammlung“ fand am 9. Januar 1898 statt. Pfarrer Otto Müller wurde zum Vorsitzenden gewählt, Franz Rauch zum ehrenamtlichen Geschäftsführer. Die evangelischen Pfarrer Solingens wurden Mitglieder und übernahmen die Führung. Zur herausragenden Persönlichkeit der Gründungs- und ersten Aufbauphase entwickelte sich Pfarrer Müller. In einer Artikelserie im „Kirchlichen Wochenblatt für die evangelische Gemeinde Solingen“ breitete er Ende 1897, Anfang 1898 seine Gedanken zur Arbeiter-Wohnungsnot aus. Genossenschaften stellten für ihn das geeignete Mittel dar, „ohne jegliche Staatshilfe“, lediglich durch „brüderliche Vereinigung und ernste Arbeit mit gutem Erfolg der Wohnungsnot“ entgegenzusteuern. Es müsse alles durch und für die Arbeiter geschehen nur so bleibe ihr Interesse an der Sache auf Dauer erhalten. Allerdings war sich Müller darüber im klaren, dass der Spar- und Bauverein ohne ausreichende Unterstützung aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zum Scheitern verurteilt war. Mit dem Beitritt der Stadt Solingen 1898 setzte die Genossenschaft die Höchstzahl der Geschäftsanteile auf zehn fest (bis dahin: drei).
Grundprinzipien des Spar- und Bauvereins, die schon in den ersten Statuten und Versammlungen festgeschrieben wurden, waren die genossenschaftliche Selbstverwaltung und die Unkündbarkeit der Wohnungen, solange der Mieter-Genosse nicht schwer gegen die Grundsätze der Genossenschaft verstieß. Das Eigentum der Wohnungen sollte sich in Händen der Genossenschaft befinden. Als Spargelder galten jene Summen, die über die Geschäftsanteile hinaus eingezahlt wurden.
Müller wollte den Genossen, die in eine der neuen Wohnungen zogen, ein Gefühl der Sicherheit geben: Sie sollten ihre Zukunft planen können, Lind zwar eine Zukunft in Solingen. Industriearbeiter sollten in der Stadt gehalten werden. Der Pfarrer wollte Optimismus vermitteln, sicherlich strebte er auch die Integration der Genossen in die bürgerliche Gesellschaft an. Statt dagegen aufzubegehren oder sie im Stillen zu hassen, sollten sich die Arbeiter mit einer Unkündbaren, guten und billigen Wohnung als Rückhalt am weiteren Aufbau dieser Gesellschaft aktiv beteiligen.
\/on 98 Mitgliedern des Spar- und Bauvereins m Frühjahr 1898 kamen je 36 aus dem Kreis von Handwerkern und Fabrikarbeitern. Es waren die etwas besser situierten Vertreter der unteren gesellschaftlichen Schichten, die sich jetzt Hoffnung auf eine lebenswertere Zukunft machen konnten. in der Führung des Vereins dominierte indes das gebildete Bürgertum, wozu insbesondere auch Lehrer und andere Beamte zählten. Das besitzende Bürgertum der Fabrikanten und Kaufleute war in der Genossenschaft nur schwach vertreten.
1905 wurde ein Fünftel der Mitglieder ausgeschlossen, weil sie ihre Pflichten nicht erfüllten, insbesondere ihre Geschäftsanteile nicht voll einzahlten. Im Geschäftsbericht klang Enttäuschung, ja Verbitterung durch: „Es ist lebhaft zu bedauern, dass eine Sache, wie die unsrige, so wenig Verständnis bei den beteiligten Kreisen findet, und können wir auf Grund unserer Erfahrung dieses darauf zurückführen, dass die Reife zur Erkenntnis des Genossenschaftswesens fehlt.“ Der Spar- und Bauverein spielte damals nur eine kleine Rolle im öffentlichen Leben Solingens. Dies änderte sich erst, als sich die Arbeiterbewegung für die Genossenschaften zu interessieren begann. Dieses Interesse und der wachsende Zustrom von Arbeitern zum Spar- und Bauverein hingen nach den Beobachtungen des Landrats auch mit der Abkehr von revolutionären Hoffnungen zusammen. Die Überzeugung, Staat und Gesellschaft würden bald zusammenbrechen, schwand, und die Arbeiter suchten jetzt den Weg der praktischen Reform.
Lange stand die Sozialdemokratie der Genossenschaftsidee skeptisch gegenüber, galt sie doch als Teil der „bürgerlichen“ Gesellschaftsordnung, die man zerschlagen wollte. Aber auch die Vertreter der SPD merkten, dass sich mit Hilfe von Genossenschaften das Leben der Arbeiter verbessern ließ. Die pragmatischere Haltung der Partei gipfelte in Solingen in dem Versuch, Einfluss im Spar- und Bauverein zu gewinnen. 1910 wählte die Generalversammlung einen der führenden Vertreter der Solinger Sozialdemokraten, Hugo Schaal, in den Aufsichtsrat. Das Organ der SPD, die „Bergische Arbeiterstimme“, rief die Leser dazu auf, sich dem Spar- und Bauverein anzuschließen, so dass dessen bis dahin stagnierende Mitgliederzahl nach oben schnellte (von 294 im Jahr 1910 auf 576 im Jahr 1912), der konfessionelle Charakter der Genossenschaft abgestreift wurde und sich die Machtverhältnisse grundlegend änderten. Statt der Kirche spielte jetzt die sozialdemokratische Partei die tonangebende Rolle.
Genossen als bessere Bürger: Die ersten Häuser des Spar- und Bauvereins
Bereits in der Generalversammlung vom 9. Januar 1898, der Fusionsversammlung von Spar- und Bauverein und der Spar- und Baugruppe des evangelischen Arbeitervereins, beschlossen die anwesenden Mitglieder den Kauf eines Grundstückes in der Größe von 280 Quadratruten (1 Rute = 3,76 m) an der Schweizer Straße, Nähe Kuller Straße, zu einem Preis von 18 Mark je Quadratrute. Auch die folgenden vier Generalversammlungen des Jahres 1898 befassten sich neben einigen Grundsatzfragen hauptsächlich mit Baulandbeschaffung und Bebauungsplänen.
Am 28. Juni 1898 fiel die erste Bauentscheidung Nach den Planen des Architekten Karl Reinschmidt sollte auf einem Grundstück am Unnersberg ein Doppelhaus „im Schweizer Stil“ mit zwei Wohnungen und acht Räumen errichtet werden. Die Kosten für den Bau waren auf 9.200 Mark veranschlagt worden, wozu noch 200 Mark Straßenbaukosten und 800 Mark für das Grundstück kamen. Die Miete war je Wohnung auf jährlich 280 Mark festgesetzt worden.
Dieser Plan war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, kommt in ihm doch bereits die „Bauethik“ des jungen Vereins zum Ausdruck, womit das solide Bauen angesprochen ist. Von typisch genossenschaftlicher „Baukultur“ kann hingegen bei diesem ersten geplanten Haus noch nicht gesprochen werden, denn ein Haus in „Schweizer Stil“ mit überstehendem Satteldach und Balkonen an der Frontseite galt als Ausdruck zutiefst bürgerlicher Baukultur. Es ist deshalb wohl anzunehmen, dass für Reinschmidt die bürgerliche Wohn- und Baukultur als vorbildlich galt, so dass der Architekt mit diesem ersten Planentwurf das Vorbild nicht nur kopieren, sondern in Stil und Qualität wohl auch übertreiben wollte. Möglicherweise handelte es sich um einen veränderten Schubladenentwurf des Architekten, der an anderer Stelle bereits ausgeführt worden war oder ausgeführt werden sollte. Letztlich war auch die Kostenkalkulation für das genossenschaftliche Bauen noch ganz untypisch, weshalb sich ausdrücklich an dieser Punkt die Generalversammlung lange festhielt.
Wenn auch Architekt und Vorstand die hohe Kosten mit der Qualität der Bauausführung rechtfertigten, so war der Mehrheit der anwesenden Mitglieder wohl intuitiv doch bewusst, dass man mit einem Haus im „Schweizer Stil“ nicht ein größeres Bauprogramm eröffnen könne. Zwar wurde mit 18 zu 7 Stimmen der Bau dieses Hauses beschlossen, aber dennoch wurde es nie errichtet. Immerhin war aber bereits diesem erster Projekt deutlich geworden, dass der Spar- und Bauverein bezüglich der Qualität seiner Wohnungen keine Kompromisse machte und sich in der seinerzeit unter vielen deutschen Bauvereinen geführten Debatte, Masse oder Qualität zu bauen, eindeutig gegen Masse entschied.
Dieses Prinzip kam dann auch beim ersten gebauten Haus des Vereins an der Schweizer Straße, ganz in der Nähe der Straßenbahn-Endhaltestelle Stöckerberg, zum Ausdruck. Bei diesem Haus handelte es sich um ein Doppelhaus in Fachwerkhauweise mit sechs Wohnungen zu je drei Zimmern nach den Plänen von Reinschmidt. Das Haus erhielt neben Keller und Speicher für jede Wohnung einen Garten. Die Baukosten waren mit 17.000 Mark berechnet und lagen damit deutlich unter dem ersten Projekt am Unnersberg. Die jährliche Zimmermiete betrug 60 Mark. Baubeginn war der 15. September 1898, und man hoffte, „etwa sechs Wochen später alles unter Dach und Fach gebracht zu haben“. Richtfest war im November, bezugsfertig sollte das Haus im Mai 1899 werden. Erd- und Maurerarbeiten wurden von dem Unternehmer Weber, die Zimmerarbeiten von Meister Kittelbauer ausgeführt. Die lokale Presse bezeichnete das Haus als „freundliches Heim“ und „ansehnliches Gebäude in gesunder schöner Lage auf dem Bergrücken liegend“.
Drei Wohnungen wurden per Losentscheid unter den interessierten Vereinsmitgliedern vergeben, die anderen drei Wohnungen mussten an Eisenbahnbeamte vermietet werden, da die Eisenbahnbeamten-Pensionskasse in Berlin eine Hypothek an den Spar- und Bauverein gegeben hatte. Zwar hätte auch die Stadt Solingen die Garantie über ein Darlehen der Landesversicherungsanstalt Rheinland in Höhe von 50.000 Mark zu einem jährlichen Zinssatz von 30 % übernommen, aber da das Haus nicht auf Solinger, sondern auf Gräfrather Stadtgebiet lag, durften hierfür keine Mittel verwendet werden, für die die Stadt Solingen die Bürgschaft übernommen hatte. Ebenfalls bis Mai 1899 sollte ein zweiter „in modernem Styl zu errichtender Bau“ mit drei Etagen zu je sechs Zimmern und sechs Dachzimmern an der Wupperstraße fertiggestellt werden. Die Kosten hierfür wurden mit 36.000 Mark veranschlagt.
Ohne Unterstützung hätte der junge Verein diese beiden ersten Häuser nicht errichten können. Abgesehen von den wichtigen Garantie- und Bürgschaftsübernahmen durch die Stadt und einige Versicherungsanstalten, waren es bemerkenswerte private Zuwendungen, die dem Verein halfen und Solidarität mit seinen Zielen zum Ausdruck brachten. Sowohl die eigenen Genossen, wie Hermann Heuser, der durch letztwillige Verfügung dem Spar- und Bauverein einen Betrag von 2.000 Mark vermachte, engagierten sich, als auch Nichtmitglieder wie der Gutsbesitzer Nobis, der dem Spar- und Bauverein das Grundstück an der Wupperstraße verkauft hatte und dabei einen Nachlass von 700 Mark gewährte.
Das erste Siedlungsprojekt: Lerchenstraße
Die Siedlung Lerchenstraße am Unnersberg ist zugleich Ausdruck eines Höhepunktes und eines Neubeginns der Bautätigkeit des Spar- und Bauvereins. Durch die bisherige eigene Arbeit - bis 1910 waren 17 Häuser mit 72 Wohnungen gebaut worden - und durch äußere Einflüsse, insbesondere den SPD-Parteitag des Jahres 1910 in Magdeburg, war der Spar- und Bauverein an einem Wendepunkt angelangt.
Die Bautätigkeit war bis zu diesem Jahr durch die Errichtung einzelner und größerer Mehrfamilienhäuser gekennzeichnet, die zwar nicht zufällig, aber doch ohne übergreifende und zusammenhängende Planungen im Stadtgebiet verstreut entstanden waren: 1898 an der Schweizer Straße, Wupperstraße 196a und b, 1899 Wupperstraße 198a und b, 1901 Wupperstraße 196, 1904 am Unnersberg, 1906,1907 und 1910 wiederum an der Wupper- und Schweizer Straße, 1910 zusätzlich an der Wachtelstraße.
Mit dem Bau der ersten Häuser an der Lerchenstraße änderte der Spar- und Bauverein seine Politik. Vom bisher gebauten Vierfamilien-Haustyp wich man zugunsten von Ein- und Zweifamilienhäusern ab. Das war möglich, weil der Verein am Unnersberg über ein großes Grundstück verfügte, das er schon 1898 erworben hatte und dessen Wert in der ersten Geschäftsbilanz von 1899 mit 8057,10 Mark ausgewiesen war. Das große Gelände ermöglichte großzügige, raumgreifende Bebauung. Hier sollte deshalb auch die erste zusammenhängend gebaute Siedlung des Vereins entstehen, für die 1910/1911 die ersten acht Einfamilien- und zwölf Zweifamilienhäuser gebaut wurden. Dieses Projekt, von nur 294 Genossenschaftsmitgliedern getragen, verschaffte dem Spar- und Bauverein in Solingen breitere Aufmerksamkeit als bisher aber nicht nur Zustimmung und Anerkennung.
Die Planung der Siedlung stammte von dem Architekten Karl Reinschmidt, dem Vorstandsvorsitzenden des Vereins und Planer der bisher gebauten Häuser. Der neobiedermeierliche Baustil der Häuser mit zweigeschossiger Bauweise und zusätzlichem Dachgeschoss wurde zum Prototyp im Solinger Siedlungsbau in den Jahren bis 1933. Kurz vor und unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg wurde die bis dahin recht kleine Siedlung um 101 Wohnungen vergrößert und erhielt damit eine gewisse Leit- oder Grundlagenfunktion für die kommenden großen Siedlungsprojekte in Solingen.
Daneben half die äußere Entwicklung dem Spar- und Bauverein zu steigender Anerkennung. Erst 1910 hatte die SPD auf ihrem Parteitag die Mitgliedschaft von Arbeitern in Genossenschaften offiziell befürwortet, nachdem sie bis dahin den Genossenschaften wegen deren bürgerlich-christlicher Wurzel n distanziert gegenübergestanden hatte. Noch 1892 hatte die SPD auf ihrem Berliner Parteitag die Arbeit der Baugenossenschaften kritisiert, weil sie von den Zielen des Klassenkampfes ablenke. Nun aber, nach dem Plazet der Partei, erlebte der Spar- und Bauverein einen intensiven Zulauf aus dem Kreis der Solinger Arbeiterschaft und konnte die Zahl seiner Mitglieder innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppeln (1910: 294 Mitglieder; 1911: 447; 1912: 576; 1913: 614). Dadurch nahm die öffentliche Beachtung und das Gewicht der Genossenschaft natürlich ebenso zu wie durch den Bau der Siedlung Lerchenstraße.
(aus Festschrift: 100 Jahre Spar- und Bauverein Solingen eG, 1897-1997)
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