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Die Braunschweiger Baugenossenschaft ist eine der wenigen bereits vor 1889 gegründeten Wohnungsgenossenschaften in Deutschland. Erst 1889 galt für Genossenschaftsmitglieder die beschränkte Haftpflicht. Wer sich zuvor als zahlendes Mitglied bei einer Genossenschaft eintrug, haftete mit seinem gesamten Vermögen, gleich, wie hoch sein gezeichneter Anteil war. Vor allem begüterte Bürger, z.B. Fabrikanten, die nach 1889 vielfach den Wohnungsbau der Genossenschaften unterstützten, mussten damit rechnen, bei Konkurs des Unternehmens ein unverhältnismäßig hohes Risiko tragen zu müssen. Erst nach dieser rechtlichen Änderung kam es zu einem wahren Gründungsboom von genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen.


1887-1889

Der Gedanke der genossenschaftlichen Selbsthilfe fiel in Braunschweig im Jahre 1887 auf fruchtbaren Boden. Es bildete sich ein Gründungskomitee für eine Braunschweiger Baugenossenschaft, das aus namhaften Persönlichkeiten bestand. Zunächst waren es nicht Arbeiter, sondern Inhaber von Industrie- und Handelsfirmen sowie sozial denkende private Personen. Zu ihnen zählten Kommerzienrat Max Jüdel, Bankdirektor Alex Benndorf, Direktor Franz Trinks, Professor Friedrich Wilhelm Schöttler, Kommerzienrat Theodor Litolff. Von ihnen wurde bereits ein Statut der Baugenossenschaft ausgearbeitet. Ziel des Unternehmens sollte es sein, den Mitgliedern billige und gesunde Wohnungen zu beschaffen und den Erwerb von Grundeigentum zu ermöglichen.

Am 4. Juni fand die Gründung der Braunschweiger Baugenossenschaft statt. Ort war das altehrwürdige Altstadtrathaus. Zur konstituierenden Veranstaltung fanden sich 88 Personen ein. Die Leitung übernahm Bankdirektor Alex Benndorf. Es wurde ein Vorstand gewählt, der provisorisch bis zur ersten Versammlung tätig sein sollte. Dem Vorstand gehörten an:
Kommerzienrat Max Jüdel, 1. Vorsitzender,
Magazinverwalter Daniel Riechelmann, 2. Vorsitzender,
Fabrikant Albert Natalis, Kassierer,
Monteur Georg Röttger, 1. Beisitzer.
Schlosser Friedrich Huchthausen, 2. Beisitzer.

62 Anwesende erklärten durch ihre Unterschrift ihren Beitritt und erkannten damit das Statut an. Bei den Interessenten handelte es sich überwiegend um Werksangehörige der Firmen Eisenbahnsignalbauanstalt Max Jüdel u. Co., Grit Natalis u. Co. und der Braunschweigischen Maschinenbauanstalt AG. Der Geschäftsanteil betrug 200 Reichsmark, einzahlbar in wöchentlichen Raten von 50 Pfennigen. Der Pfennig wurde zum Symbol des jungen Unternehmen fand später auch im Emblem der Braunschweiger Baugenossenschaft seinen Niederschlag. Hemmend auf den Mitgliederzuwachs wirkte sich besonders aus, dass nach geltenden Genossenschaftsgesetz jedes Mitglied mit seinem gesamten Vermögen für die Genossenschaft haftete.

Am 10. Juni erfolgte die Eintragung der Genossenschaft in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Braunschweig. Auf der ersten ordentlichen Generalversammlung am 8. August wurde der Vorstand der BBG gewählt mit:
Fabrikant Albert Natalis, 1. Vorsitzender,
Magazinverwalter Daniel Riechelmann, stellvertretender Vorsitzender,
Schriftgießer Karl Knapke, 1. Kassierer

Ein eigenen Büro besaß die Genossenschaft noch nicht. Die wöchentlichen Zahlungen wurden zunächst im Stadtgeschäft der Firma Grimme, Natalis und Co. und später in der Wohnung des Kassierers entgegengenommen. Zu den ersten Aufsichtsratsmitgliedern, die lange Jahre diesem Gremium angehörten, zählten u.a.
Kommerzienrat MaxJüdel, 1887-1910,
Schlosser Wilhelm Blanke, 1887-1907,
Fabrikdirektor Rudolf Teichs, 1887-1901,
Werkführer Hermann Meinburg, 1887-1897.

Gemäß der Satzung wurden nur Erwerbshäuser gebaut, die zum Selbstkostenpreis mit einem mäßigen Gewinnaufschlag durch Verlosung in den Besitz solcher Mitglieder gelangten. die auf ihren Geschäftsanteil wenigstens 100 Mark eingezahlt hatten. Das Haus konnte dem Anwärter jedoch erst grundbuchlich aufgelassen werden, nachdem ein Drittel des Kaufpreises in bar abbezahlt war. Der Rest blieb als Hypothek auf dem Hause stehen.

Die Häuser sollten sechs bis acht Wohnungen enthalten und den Genossen zur Miete überlassen werden, die nicht in der Lage waren, sich ein eigenes Haus zu kaufen. Die Genossenschaft behielt sich vor, die Mietpreise von sich aus festzusetzen und die Mieter vorzuschlagen. Die Auswahl der Bewerber erfolgte durch Los. Kinderreiche Familien aber durften aus diesem Grunde nicht abgelehnt werden.

1888: Die ersten von den Genossenschaften errichteten Wohngebäude entstanden 1888 im Südosten der Außenstadt. Die Häuser Riddagshäuser Weg 10 (heute Georg-Westermann-Allee) und Hopfengarten 18 waren Doppelhäuser mit 6 und 4 Dreizimmerwohnungen. Erstellungskosten je Haus: 20.600/16.100 Mark, Kosten je Wohnung: 3670 Mark. Die Miete betrug durchschnittlich 220 Mark im Jahr.

Die ursprüngliche Absicht der Gründer, kleine Ein- und Zweifamilienhäuser mit einem Garten, im Gegensatz zu dem damals üblichen Miethausbau, zu erstellen, ließ sich nicht verwirklichen. Dazu waren die Baulandpreise und Straßenbaukosten in Braunschweig zu hoch.

(aus Festschrift: 100 Jahre Braunschweiger Baugenossenschaft eG, 1887-1987)

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